Werkbundsiedlung Kuckhof

Hanns Uelner, Architekt und Stadtplaner, Bonn

Angeregt durch eine Initiative des Werkbundes Bayern in Landshut, aber auch über Anfragen der Stadt Neuss und der LEG hat eine kleine Gruppe von Werkbund-Architekten innerhalb der Entwicklungs-Maßnahme Neuss-Allerheiligen eine Chance für die Bearbeitung einer Werkbundsiedlung mit neuen Ansätzen zur Verwirklichung möglichst lokaler Wohnformen auch in einer örtlich nicht idealen Konstellation für die Ansiedlung von Menschen gesehen. Die Enttäuschung über das wenig greifbare Ergebnis in Essen-Alstaden war einigen noch präsent und beflügelte zu einem neuen Wurf.

Über die Erkenntnisse, Vorschläge und Ideen hinaus, die zur Zeit über Stadt, Siedlung, Wohnen und Verkehr besprochen, beschrieben, planerisch bearbeitet, gefördert und in allen Medienarten international veröffentlicht werden, ist diese Arbeitsgruppe von Architekten und Planern bemüht, eine neue, benutzerfreundlichere und dazu finanzier- und realisierbare Lösung innovativer Lebens- und Wohnformen für das nächste Jahrhundert anzubieten.

Zukunftsweisende, innovative Möglichkeiten sollten, auch wenn sie gegenwärtigen Konventionen entgegenstehen und Vorstellungen übersteigen, angesprochen, experimentell vorbereitet, diskutiert und zur Realisation vorgeschlagen werden. Das Ergebnis sollte eine Demonstration aktueller Erkenntnisse sein, nicht als Summe einzelner zusammenhanglos angeordneter Bauten, sondern als Ausdruck eines homogen-konzipierten Stadtteils.

 

In fast zweijähriger Arbeit wurde von 20 Kolleginnen und Kollegen ein Konzept und ein Bebauungsplan-Entwurf erarbeitet (Broschüre "Werkbund Siedlung Kuckhof", in der alle Zielsetzungen und Vorstellungen aufgeführt sind). Mit der Stadtverwaltung und den politischen Gremien wurden Standpunkte in teilweise kontroversen Diskussionen erörtert und teilweise auch durchgesetzt.

Als potentieller Träger, auch für unorthodoxe Konzepte, stand und steht der Neusser Bauverein insbesondere durch das Engagement seines Geschäftsführers zur Verfügung. Das Ministerium Bauen und Wohnen sieht mit diesem Projekt die Möglichkeit, vorhandene Denkstrukturen im Bereich der Förderbestimmungen zu hinterfragen, ggf. aufzubrechen und neu zu formulieren.

In der Bearbeiter-Gruppe wurde der Standort von Anbeginn an sehr kritisch gesehen.

In Diskussionen wurde anfangs eine Beteiligung als "Werkbund-Projekt" infrage gestellt, insbesondere in Bezug auf:

 

_ die Entfernung des Standortes zum Stadtzentrum und zu leistungsfähigen Infrastrukturen, was einer Vision von Autofreiheit entgegensteht,

_ die Ausdehnung von Siedlungsflächen auf unbebautem, nicht versiegeltem, Ackerland,

_ die im Süden angrenzende neu entstehende (anbaufreie) Ortsumgehung und Zubringer-Straße,

_ die städtebauliche Vorgabe sehr geringer Bebauungsdichte, die von politischer Seite immer angemahnt wird

_ die städtebauliche Vorgabe der monostrukturellen Nutzung (Wohnen), da das vorgesehene "Retorten-Zentrum", vorgesehen für die gesamte Entwicklungsmaßnahme, nicht noch geschwächt werden sollte,

_ die geringe Möglichkeit einer Verzahnung mit der Bebauung des vorhandenen umzustrukturierenden Ortsteils.

 

Diese und weitere Brüche sah die Gruppe dann schließlich als Herausforderung, der mit einer in sich stimmigen Lösung geantwortet werden sollte. Die nach außen geschlossene Form des städtebaulichen Konzeptes begründet sich dann u.a. auch aus diesen besonderen Vorgaben.

Das zu Beginn doch sehr dichte Konzept wurde in mehreren Schritten reduziert. Teile der vorgesehenen Bebauung mussten den stringent gehandhabten Stellplatzanforderungen der Gemeinde geopfert werden.

Da die gesamte Maßnahme im Geschosswohnungsbau nur mit öffentlicher Förderung eine Chance hat, mit einem großen Anteil an freifinanzierten Einfamilien- (Reihen-) Häuser zur Zeit einen Boom erfahren - aber nur in der preiswertesten Form - wurde versucht, den rasch wechselnden Marktanforderungen gerecht zu werden, ohne die städtebaulichen Grundziele aufzugeben.

Trotz einer umfangreichen Überarbeitung konnten, insbesondere durch das große Engagement einiger, die ursprünglich angestrebten Grundsätze und Vorstellungen beibehalten werden. Bei weiterer intensiver Betreuung durch alle Beteiligten ist auf der Grundlage des aktuellen Konzeptes ein in seiner Wohnqualität überdurchschnittliches Siedlungs-Quartier zu realisieren.

Was bedeutet nun die Beteiligung einer "Werkbund-Gruppe" für dieses Projekt, das im Ergebnis sicher von Kompromissen geprägt sein wird? Sicher die immer wieder neu formierte Zusammenarbeit von 20 und mehr beständiger Planer, Architekten, Landschaftsarchitekten, verschiedenster Herkunft, Auffassung, Zielsetzungen und Möglichkeiten, für die der gegenseitige Respekt vor der Arbeit des Anderen als selbstverständliche Arbeitsgrundlage empfunden wird.

Sicher auch die Einsicht, dass Kompromisse im prozessualen Ringen immer wieder unter der Vision höchstmöglicher Qualitätserzielung eine Optimierung bei Außenstehenden auch Einsichten erzeugt und Türen zum gemeinsamen Oualitätsstreben öffnet.

Das Projekt ruht zur Zeit, da Formfehler bei der Begründung der gesamten Entwicklungsmaßnahme (ca. 6000 Einwohner), nicht nur auf unser Siedlungsprojekt bezogen, zur Zeit insgesamt eine Denkpause bewirkt haben und gegebenenfalls ein Umdenken mit neuen Perspektiven und Zielsetzungen erforderlich machen.

Die Gruppe wird die Zeit nutzen, um eigene Standpunkte zu klären und zu festigen. 

Lageplan