Archiv der Veranstaltungen der Werkbundakademie
Sehen und Verstehen – Designsammlungen in Deutschland
Beate Manske M.A.: Die Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung, das Wilhelm-Wagenfeld Haus in Bremen
Grundlage der in Europa einzigartigen Sammlung Wilhelm Wagenfeld ist der Nachlass des berühmten Designers Wilhelm Wagenfeld (Bremen 1900 – Stuttgart 1990), von seiner Frau Erika Wagenfeld als gemeinnützige Stiftung großzügig übergeben; die zweite Stifterin ist die Stadtgemeinde.
Inzwischen verfügt die Stiftung, die von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet wird, über eine Sammlung von rund 4800 Einzelstücken und Konvoluten. Dazu kommen Entwurfs-skizzen, technische Zeichnungen, Modelle, Korrespondenzen und Archivalien. Die wissen-schaftliche und kuratorische Betreuung obliegt der Kunsthistorikerin Beate Manske, die –
zusammen mit dem Design Zentrum Bremen - in der eigens für diesen Zweck umgenutzten, behutsam neu gestalteten, klassizistischen Ostertorwache, dem Wilhelm-Wagenfeld-Haus, arbeitet.
Das Wilhelm-Wagenfeld-Haus ist ein wesentlicher Baustein der intensiven Designförderungs-strategie des Landes Bremen seit Anfang der 90er Jahre. Es wirkt vor allem mit Ausstellungen weit über die Grenzen Bremens hinaus und wird auch international wahrgenommen.
Wilhelm Wagenfeld selbst wollte sich eine Musealisierung seiner gestalterischen Lebensarbeit nicht vorstellen. Ihm lag daran, dass seine Gedanken, Entwicklungen und Produktkonzepte für die Arbeit zukünftiger Generationen und für neue Phasen industrieller Produktion Impulse geben. Dazu gehören die technologisch innovativen ebenso wie die in der Umsetzung gesellschaftlicher Belange kreativen Disziplinen in der Ausbildung, in der beruflichen Praxis und in der Information der Öffentlichkeit.
Mit dem Wagenfeld-Haus ist also nicht nur ein spezieller Ort der Sammlung, sondern mit zahlreichen Aktivitäten auch ein Ort der Kommunikation heutiger Designprobleme entstanden. So war beispielsweise das Darmstädter Institut für Neue Technische Form mit einer Dieter-Rams-Ausstellung zu Gast.
Die Vorträge der Reihe „Sehen und Verstehen“ zeigen nicht nur die Vielfalt der Sammlungen und deren erstaunliche Entwicklungen in Deutschland. Sie sind auch geeignet, für den Designstandort Darmstadt und für die hessische Designpolitik Anregungen und Impulse zu geben.
Werkbundtag 1998
Von der Industriegesellschaft zur Kulturgesellschaft - Arbeit im Wandel
Ein Projekt der Werkbundakademie Darmstadt
zusammen mit dem Deutschen Werkbund e.V.
mit Unterstützung der Stadt Darmstadt
Der Werkbundtag 1998 eröffnete eine Serie neuer jährlicher Werkbundtage, die von den Landeswerkbünden in einer Art Rotationsverfahren bis heute anhaltend durchgeführt werden.
Der Werkbundtag 1998 thematisierte zukünftige Formen der Arbeit. Dieser Begriff „Arbeit“ war damals nicht nur wegen der sich abzeichnenden dauerhaft hohen Arbeitslosigkeit, sondern auch wegen tief greifender Veränderungen in der Arbeitswelt selber hochaktuell.
Der Werkbund selber wollte sich auch fragen, wie seine Arbeit als ideelle, ehrenamtliche, aber mit hohem professionellem Anspruch betriebenen Aktivitäten sich in Zukunft strukturieren und organisieren sollten.
So wurde im ersten Teil des Werkbundtags ein Überblick über die Projektarbeit des Werkbunds insgesamt, d.h. in allen seinen Organisationsformen gegeben und kritisch diskutiert. Im Ergebnis bestand Übereinstimmung, dass „der Werkbund“ sich dezentral am besten in Form einer Vielfalt von Projekten zu aktuellen Problemen der Zeit, insbesondere natürlich zu gestalterischen Problemen öffentlich äußern kann. Formen der gemeinsamen Stimme des Werkbunds als Impuls für den öffentlichen Diskurs allerdings müssten neu gefunden und bestimmt werden.
Im zweiten Teil waren vor allem Institutionen der Kulturarbeit gebeten, über ihre Formen, Probleme und Zukunftserwartungen zu berichten (Zentrum für Kulturforschung, Bonn; Syntropie - Stiftung für Zukunftsgestaltung, Basel; Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Dresden; Akademie für Gestaltung im Handwerk der Handwerkskammer Ulm; Zukunft der Arbeit der EXPO 2000 Hannover; Betriebsrat Lufthansa System GmbH, Kelsterbach; Galerie für Architektur und Arbeit, Gelsenkirchen; Design Zentrum Nordrhein-Westfalen, Essen; Institut für Energie- und Umwelttechnik, München; Wohnbund e.V. Frankfurt am Main). Die Vielfalt der Institutionen und Arbeitsformen wurde mit Respekt und Beifall aufgenommen. Kulturarbeit erschien in dieser Fülle als ein notwendiger Katalysator für komplexe, kreative und humane Arbeit in der zukünftigen Wissensgesellschaft.
Eine ausführliche Dokumentation liegt als Nr. 1 Schriftenreihe der Werkbundakademie Darmstadt vor.
Designstandort Darmstadt.
Drei Kolloquien im Juli, November und Dezember 1999
Ein Projekt der Werkbundakademie Darmstadt
mit Unterstützung der Stadt Darmstadt
Die Berichte und Diskussionen der Kolloquien sollten die Kommunikation der Design-Akteure in Darmstadt miteinander (freie Büros, fördernde Institutionen, Unternehmen, Fachhochschule und Technische Universität)
anregen. Das Potential der designorientierten Arbeit insgesamt in Darmstadt sollte sich nach Möglichkeit intensiver darstellen und nach außen profilieren („Designstandort“).
Das erste Kolloquium brachte eine Vielzahl von Designakteuren in Darmstadt mit Berichten über ihre Arbeit und Ziele ins Gespräch. Einen institutionellen Informations- und Gedankenaustausch zu organisieren fand breite Zustimmung. Über Form und Kosten sollte sich eine Arbeitsgruppe Gedanken machen.
Das zweite Kolloquium stellte vier relativ neue Designförderungs-Institutionen in Deutschland vor (Zentrum für Gestaltung und Wirtschaftskommunikation/ Antje Salander; Kern Kreativ-Management Essen/ Dr. Ulrich Kern; Design Transfer Braunschweig/ Ronald Fellenberg; Design Zentrum Bremen/ Dr. Klaus Bertold). Die von den Berichten angeregte Diskussion brachte einige konkrete Vorschläge:
_ eine Liste aller designorientierten Akteure in Darmstadt zu erstellen;
_ Besuche bei designorientierten Firmen und Institutionen zu organisieren,
_ Zusammenhänge von Design und Wissenschaftsstadt zu formulieren;
_ einen ständigen „Designort“ (Forum, Museum, Messe) einzurichten; u.a.
Das dritte Kolloquium kam in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Grafische Datenverarbeitung Darmstadt zustande und stellte die vorläufige Konzeption eines am Fraunhofer Institut erarbeiteten designorientierten Informationssystems (TeZeD) einem Kreis von Experten zur Stellungnahme und Diskussion vor. Die Werkbundakademie hatte dazu eingeladen und die Moderation übernommen.
In den folgenden Monaten schlossen sich ein Vortrag des Basler Designers Theo Ballmer „Information und Orientierung im öffentlichen Raum/public design“ und zwei Besuche bei der Darmstädter Firma Röhm und beim Institut für Elektromechanische Konstruktionen der Techn. Universität Darmstadt an. Die Resonanz auf diese Besuche legte allerdings nahe, die weitere Arbeit für das Projekt „Designstandort Darmstadt“ zunächst auszusetzen. Eine ausführliche Dokumentation liegt als Nr. 2 Schriftenreihe der Werkbundakademie Darmstadt vor.
Energie und Architektur
Ein Projekt der Werkbundakademie Darmstadt
zusammen mit dem Fachbereich Architektur/ Lehrstuhl Entwerfen und Energieeffizientes Bauen der Technischen Hochschule Darmstadt
Die energierelevanten Elemente eines Gebäudes sollen in einer ganzheitlichen Planung auch mit der Ästhetik des architektonischen Entwurfs verbunden sein.
Die Fa. Viessmann Heiztechnik sucht nach Wegen und Beispielen, ökologisch innovative Heiztechnik und Architekturqualität miteinander in Einklang zu bringen und hat dazu die Werkbundakademie Darmstadt um Vorschläge gebeten und die Finanzierung eines Preises in Aussicht gestellt.
Daraus ist ein Zusammenwirken von o.g. Lehrstuhl (Prof. Manfred Hegger) und Werkbundakademie entstanden.
Als ersten Schritt hat der Lehrstuhl einen internen Studentenwettbewerb „Form Follows Energy“ durchgeführt. Aufgabe war, ein energieautarkes Gebäude als freie Aufgabe oder als Ausstellungs- und Forschungslabor der Grube Messel zu entwerfen. Eine Jury hat dazu die Gewinner ausgesucht und Preise im Wert von insgesamt 5000 Euro verteilt. Die Entwürfe wurden bisher hochschulintern ausgestellt.
Die Werkbundakademie war in der Jury vertreten. Die Verwaltung des Projekts einschließlich Finanzplanung und -abwicklung in Abstimmung mit Fa. Viessmann hat der Lehrstuhl übernommen.
In einem nächsten Schritt soll die Aufgabenstellung erweitert und differenziert werden. Die Aufgaben sollen mehr und mehr interdisziplinär bearbeitet werden, z.B. sollen Designer einbezogen werden.
Die Werkbundakademie wird die in diesem Prozess entstehenden Arbeiten und Ergebnisse zu einem geeigneten Zeitpunkt und Anlass veröffentlichen und zur Diskussion stellen.
