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ENTSCHLIESSUNG ZUR BERGWERKSDIREKTION IN SAARBRÜCKEN

anlässlich des 74. Jahrestages der Denkmalpflege am 07. Juni 2006 im Saarbrücker Schloss

 

Mit großer Sorge beobachten die Denkmalpfleger und Freunde der Denkmalpflege eine Entwicklung, die mit der akuten Gefährdung des wichtigen Kulturdenkmals Bergwerksdirektion einen neuen Höhepunkt zu erreichen scheint.

 

Sie stellen fest, dass einige Investoren und international operierendes Kapital dem zurückgehenden Konsum der Gesellschaft und der Schrumpfung der Städte begegnen wollen, indem sie die Sehnsucht vieler Menschen nach einem historisch geprägten und architektonisch qualitätsvollen Lebensumfeld für ihre Interessen nutzen wollen. Diese gefährliche Entwicklung zeigt sich in mehreren problematischen Ansätzen:

- das Schaffen großflächiger Einzelhandelszentren innerhalb historisch gewachsener kleinteiliger Innenstädte

- das Schaffen von gefälschten altertümelnden Kulissen (Kaufhäuser in rekonstruierten Schlössern)

- die Missnutzung und Entkernung von originalen, historisch wertvollen Bauten

 

In Saarbrücken besteht die Gefahr, dass ein herausragendes Baudenkmal von weit überregionaler Bedeutung dem Kommerz geopfert wird.

 

Die „Königlich Preußische“ Bergwerksdirektion, erbaut zwischen 1877 und 1880 nach Plänen der Berliner Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden, gehört kunst- und architekturgeschichtlich zu den besten Verwaltungsgebäuden des Rundbogenstils der Schinkelschule. Die außergewöhnliche architektonische Kraft, die an Florentiner Palazzi erinnert, wird ergänzt durch eine weit gehend intakte und reichhaltige Innenausstattung und Dekoration. Beides gehört unverzichtbar zusammen und muss unversehrt erhalten bleiben.

 

Ein Land, das inzwischen die hohe Bedeutung seiner Identität als historische Industrieregion erkannt hat und zurecht das Industriedenkmal Völklinger Hütte – Weltkulturerbe der UNESCO – als Aushängeschild nutzt, kann es sich nicht erlauben, den symbolträchtigen und wichtigsten Bau des Saarkohlenbergbaus zu schädigen.

 

Das Saarland schuldet der Industrialisierung seine wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Der Steinkohlenbergbau ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor über lange Zeit gewesen und hat das Land entscheidend geprägt. Hierfür steht das Gebäude der Bergwerksdirektion wie kein anderes im Land.

 

Es müsste eigentlich selbstverständlich sein, dass bei dieser hohen Denkmalbedeutung die Bergwerksdirektion keinesfalls auf eine entkernte Hülle reduziert werden darf. Für die noch vorhandene außergewöhnliche originale Innenausstattung gilt, dass sie unversehrt auch späteren Generationen Auskunft über die Geschichte geben muss. Deshalb sind Pläne zur Veränderung des Haupteingangs, zur Zerstörung oder auch nur Veränderung von Treppenhaus und Festsaal abzulehnen. Ebenso sind originale Decken, Korridore und innere Raumerschließungen unverzichtbar für das Verständnis eines historischen Verwaltungsbaus.

 

Ein Gebäude dieser architekturhistorischen sowie wirtschafts- und sozialhistorischen Bedeutung, das einzigartig und symbolhaft für eine lange und wichtige Phase der Geschichte des Saarlandes steht, darf nicht durch den Missbrauch als Einkaufszentrum geopfert werden. Die Bergwerksdirektion ist das Saarbrücker Schloss des Bergbaus und verdient als solches einen respektvollen und fürsorglichen Umgang.

 

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