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Werkbundakademie Darmstadt e.V.

Eine Initiative des Deutschen Werkbund e.V.

 

Architektur, Design, Grafik, Fotografie, Kunsthandwerk, Städtebau, Stadtentwicklung und Landschaft, das sind die großen Themen, mit denen der Deutsche Werkbund sich in seiner bald hundertjährigen Geschichte immer wieder in fachlich-interdisziplinärem Diskurs befaßt hat. Modernität, Funktionalität und Ästhetik bilden zusammen den Rahmen eines Qualitätsbegriffs, den der Werkbund zu definieren sucht, wobei die industrielle, technologische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung immer wieder neue Problemlagen mit sich brachte und neue Anforderungen stellte.

 

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es vor allem der Wandel von der handwerklichen zur industriellen Produktionsweise, in der zweiten Hälfte waren es die inzwischen spürbar gewordenen ökologischen Belastungen und der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft besonders mit ihren neuen Mobilitäts-, Informations- und Kommunikationstechnologien.

 

In den nächsten Jahrzehnten wird die Ausbreitung von Stadtlandschaften zu einer gesundheitlichen und sozialen Belastung und zu einem Verfall urbaner und landschaftlicher Qualität von bisher unbekanntem Ausmaß führen. Es liegt nahe, hier das zentrale Zukunftsthema des Werkbunds zu sehen. Das Ausmaß dieser Problematik hat auch den Werkbund längst von der Priorität künstlerisch-ästhetischer Qualitätskriterien fortgeführt zu umfassenden, interdisziplinären Debatten über Qualitäten humaner Umwelt insgesamt. Dabei bilden die lokalen Bedingungen, die überregionale Einbindung und die globalen Einflüsse einen zusammenhängenden Problemkomplex wie nie zuvor.

 

Bei einer solchen Schwerpunktbildung darf es niemanden wundern, wenn die Arbeitsweise und Einflußmöglichkeit des überwiegend ehrenamtlich tätigen Werkbunds an seine Grenze zu kommen droht.

 

Sicher bedarf es neben dem inzwischen traditionellen internen Erfahrungsaustausch und Diskurs und der immer noch progressiven Pflege und Förderung ästhetischer, künstlerischer Vorbilder aus der sich fortentwickelnden Moderne aber besonders neuer Arbeitsformen, die der Komplexität der umweltbezogenen Zukunftsprobleme gewachsen sind. Dazu gibt es erste Ansätze, etwa in der Bildung einer Arbeitsgruppe, die für die Insel Fehmarn ein Solarkonzept erarbeitet hat und als Consultant auch in die Durchsetzung eingebunden ist. Oder die Beauftragung einer Art Regiegruppe des Werkbunds bei der Konzeptionierung eines komplexen Konversionsprojekts in Zweibrücken, die Umnutzung zum Wohnen und der städtebaulichen Einbindung eines Kasernengeländes in die Stadt.

 

Wieweit auch der an sich konventionelle Gedanke der Einrichtung einer „Akademie“ im lokalen und regionalen Rahmen einer Stadt wie Darmstadt sich zu einer neuen Arbeitsform entwickeln kann, wird davon abhängen, ob es gelingt, die Akademie als ein Netz zu konzipieren und zu organisieren.

 

Der Grundgedanke der Werkbundakademie, Darmstadt in diesem Sinne als Netz zur gegenseitigen Kenntnisnahme und Kooperation zu sehen, bedeutet vor allem, den Reichtum von Aktivitäten und Erfahrungen, die in einer Stadt versammelt sind, für die Lösung komplexer Fragestellungen der Umweltqualität nutzbar zu machen.

 

Es handelt sich eben nicht nur um die Vermittlung von Expertenwissen und speziellen Könnens, sondern um das Auslösen von längerfristigen Prozessen auf der Suche nach Antworten und Lösungsansätzen.

 

Die vorgeschlagenen und bisher verfolgten Themenschwerpunkte behandeln lokale Probleme und Chancen Darmstadts. Räumliche Probleme und Qualitäten aber sind per se lokal. Sie sind einerseits spezifisch, andererseits auch typisch und exemplarisch für Probleme anderenorts. So gesehen wirken sie auch überregional und werden so wahrgenommen, und sie beziehen umgekehrt Anregungen und Beispiele aus überregionalen Bereichen ein.

 

Der lokale Bezug des Programms und die Bemühung um Mitwirkung und sogar Vernetzung der lokalen Akteure ist also keine Verengung, sondern ein Optimieren der Suche nach Lösungen, die vor Ort nützlich und überregional interessant sind.

 

Im Rahmen des bisherigen Umfangs an Arbeitsmöglichkeiten der Akademie wurden zunächst drei Schwerpunkte gesetzt, drei junge Bäume sozusagen gepflanzt, die wachsen können, ohne daß man ihre Größe und Verästelungen schon erkennen könnte. Dieses sind:

 

- die Qualität des öffentlichen Raumes als Grundlage von Stadtidentität und wirtschaftlicher Attraktivität

- die Reflektion und Förderung von Architektur- und Stadtfotografie als Medium einer breiten Vermittlung von Umweltqualität

- das Einbeziehen der Dimension Gestaltung und Stadtkultur in das eher an technischen Disziplinen orientierte Leitbild „Wissenschaftsstadt Darmstadt“

 

Diese Schwerpunkte spiegeln sich in unten beschriebenen Projekten zunehmend wider.

 

Je nach Arbeitsmöglichkeit und Finanzierung können weitere Schwerpunkte im Sinne des Akademiekonzepts hinzutreten. Das wird wesentlich auch abhängig sein von Personen, die sich in diesem Sinne engagieren und die Akademie als Institution nutzen wollen.

 

Der Verein Werkbundakademie Darmstadt e.V. wurde im Dezember 2000 von Werkbund-Mitglieder aus dem Darmstädter Raum gegründet. Es wird eine Verbreiterung der Mitglieder-Basis gerade auch unter interdisziplinären Aspekten und der Kooperation mit anderen Institutionen, Büros und Unternehmen angestrebt.