Werkbundtag 2016

werkbund-stadt-2016
Mit dem Projekt WerkBundStadt 2016 verfolgt der Berliner Werkbund zwei
wesentliche Anliegen: Er will die Fragen modernen Wohnens und Lebens in
der Stadt neu diskutieren und selbstverständlich führt er den Diskurs – so viel
Tradition darf sein – Disziplinen übergreifend: sozial, gestalterisch, technisch,
ökonomisch, ökologisch und politisch. Das zweite Anliegen betrifft die Form
des Diskurses und seine Wirkung: Er wird nicht theoretisch und abstrakt
geführt, sondern von Beginn an mit dem Ziel einer Konkretisierung und einer
beispielhaften Demonstration des aus ihm resultierenden Erkenntnisgewinns.
Auf einem Grundstück in Charlottenburg an der Spree sollen unabhängig von
institutionellen Einflussnahmen in der Zusammenarbeit von Architekten,
Produktgestaltern, Grafikern, Ingenieuren, Künstlern und engagierten Unternehmen
mit Politikern und Bauherren beispielhaft Wohnformen der Zukunft
realisiert werden.
Damit schaltet sich der Berliner Werkbund aktiv in die Entwicklungen der Zeit
und dieser Stadt – aller großen Städte – ein. Die Wohnungsfrage ist heute
eine nach sozial und gesellschaftlich heterogenen, umfassend und nachhaltig
funktionierenden innerstädtischen Wohnquartieren. Der Wohnort des
modernen Menschen ist die Stadt. Hier ist er Teil des gemeinschaftlichen
Lebens und Individuum zugleich. Hier findet er Arbeit, Beschäftigung, kulturelle
Entfaltung und Geborgenheit. Die Wohnung bildet die Urzelle menschlichen
Seins und ist der Ausgangspunkt aller planerischen Überlegungen.
In ihrer Ausprägung und Gestaltung spiegeln sich die gesellschaftlichen,
wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Zeit.
Die Stadt und ihre Organisation, das Gefüge aus Gebäuden, Plätzen, Straßen
und Gärten ist immer wieder Anlass zu idealistischen, utopischen und vorbildlichen
Planungen; die Suche nach dem Bild der Stadt ist immer auch eine
Suche nach einem angemessenen Bild der Gemeinschaft. Der Werkbund hat
sich in seiner Geschichte wiederholt dieser Aufgabe gestellt und bis heute
vorbildliche Siedlungen geschaffen. Insofern steht das Projekt wohl in der
Folge der sogenannten Werkbundsiedlungen, der auf Initiative europäischer
Werkbünde konzipierten und im Auftrag der öffentlichen Hand realisierten
experimentellen Wohnsiedlungen mit Muster- und Vorbildcharakter. Das
kommende Projekt wird allerdings heute – fast hundert Jahre nach Stuttgart-Weißenhof
und nach den Erfahrungen mit der in der Folge vielfach manifestierten
Idee der Siedlung und der Großsiedlung – eine andere Entwicklungsrichtung
haben: Mit der Abkehr von der Bezeichnung Werkbundsiedlung und
dem neuen Namen WerkBundStadt verbindet sich wesentlich seine Stoßrichtung,
sein Thema und sein Inhalt: es geht um städtisches, um urbanes
Wohnen, Leben und Arbeiten, um Dichte und ökonomische Bedingungen, um
Fragen des Verkehrs und den Umgang mit Energie und technischen Möglichkeiten
und um eine zeitgemäße Form und Gestaltung, die all dies einlöst.Berlin im Juli 2015
Paul Kahlfeldt und Claudia Kromrei

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