Eindrücke vom Werkbundtag 2015

(Fotos: S.Ternifi)

 

 

 

Wir danken der Staatskanzlei für die Unterstützung

(Bild: Werkbund)

KULTUR-LANDSCHAFT IN EINER GRENZENLOSEN (?) GROSSREGION

Die diesjähre Jahrestagung des Deutschen Werkbundes findet am 11. und 12. September 2015 in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums (Saarbrücken) statt.

Nähere Informationen

Anmeldung

Hotelliste Deutscher Werkbundtag 

Pressenotiz zur Veröffentlichung der Werkbund-APP

Die Werkbund App ist im Store verfügbar und über folgende QR-Codes und Links abrufbar:

 

PUBLIKATION ERSCHIENEN

Die ehemalige Französische Botschaft in Saarbrücken von Georges-Henri Pingusson

 

Herausgeber

Deutscher Werkbund Saarland und Institut für aktuelle Kunst im Saarland

 

Konzeption

Axel Böcker, Oranna Dimmig, Marlen Dittmann, Jo Enzweiler, Nina Jäger, Claudia Maas

 

Übertragung ins Französische

Anne-Marie Werner

 

Redaktionelle Mitarbeit

Doris Kiefer, Sandra Kraemer

 

Inhalt

 

- Ulrich Commerçon: Grußwort

- Frédéric Joureau: Grußwort

- Marlen Dittmann: L’Ambassade de France

- Simon Texier: Die Französische Botschaft in Saarbrücken

- Georges-Henri Pingusson: Französische Botschaft Saarbrücken

- Dietmar Kolling: Die Französische Botschaft und der Aufbauplan von ­Georges-Henri Pingusson für Saarbrücken

- Axel Böcker: Die ehemalige Französische Botschaft in Saarbrücken – Bedeutungsebenen eines Hauptwerks der europäischen Nachkriegsmoderne

- Marlen Dittmann: Ausblick

- Bibliografie, Biografien

 

Gestaltung

Nina Jäger

 

Ort und Jahr

Saarbrücken 2014

 

Seitenzahl, Abbildungszahl

128 Seiten, 72 SW- und 43 Farb-Abbildungen

 

Verlag

St. Johann GmbH, Saarbrücken

 

Verarbeitung, Format

28 x 21,4 cm, Schweizer Broschur

 

Druck und Lithografie

Krüger Druck+Verlag GmbH & Co. KG, Merzig

 

ISBN

3-938070-90-9

 

Preis 25,- €

 

Die Publikation wurde gefördert von: ­Ministerium für Bildung und Kultur, Ministerium für Finanzen und Europa, Saartoto und Stiftung ME Saar

 

 

Eine Voransicht des Druckerzeugnisses können Sie sich hier herunterladen

 

Hier finden Sie einen weiterführenden Artikel von Frau Ursula Baus von frei04publizistik zur ehemaligen französischen Botschaft in Saarbrücken

 

 

 

"Es lohnt sich."-Teil 2 - "Cela en vaut la peine." - Part. 2

16. und 17. Oktober 2014

 

"Großes entsteht im Kleinen" ist das Image-Motto des Saarlandes. Der Gebäudekomplex des Kultusministeriums, ursprünglich Französische Botschaft im Saarland, hat schon lange wahre Größe.

 

"Le Grandiose nait du Petit", telle est l'image et la devise de la Sarre. Le groupe d'edifices du Ministère de la Culture et de l'Education, à l'origine l'Ambassade de France en Sarre, a depuis longtemps sa vraie grandeur.


Da die Nutzung ausschlagegebend ist für die Art und Umfang der Sanierung, wollen wir darüber nachdenken, frei und unabhängig von jedweden Vorgaben, Querdenken. In einem interdisziplinär besetzten, deutsch-französischen Kreis wollen wir keine Pläne zeichnen oder konkrete Aussagen treffen, sondern symbolhaltige Bilder finden für die Gebäude liegenden Möglichkeiten und diese in der Öffentlichkeit bekannt machen und diskutieren.

 

Puisque l'utilisation future peut influer voir être décisive sur la maniére et l'etendue des opérations de rénovation, nous souhaitons fortement y réfléchir, libres et indépendamment de toutes considérations, avantages et pensées confirmistes.

Dans le cadre d'un cercle inderdisciplinaire franco-allemand ainsi constitué, nous ne trouver et pouvoir créer des images empreintes et porteuses de symboles qui pourraient révéler des possibilités, porter celles-ci à la connaissance de l'opinion Publique et proposer un échange d'idées et de concertation.

 

Die Symbolkraft zum Ausdruck bringen

Den "Europa-Gedanken" vertiefen

Das städtische Umfeld stärken und bereichern

Zukunftsfähige, lebendige Nutzungen finden

 

Exprimer la force symbolique

Approfondir l'idée de "Pensée Européeenne"

Renforcer et enrichir l'environnement urbain

Trouver des formes d'activités vivaces et porteuses d'avenir

 

Im leerstehenden Haus

Programm und Einladung

 

 

 

Es lohnt sich! - Zeitzeugenberichte & Podiumsdiskussion zur Finissage der Ausstellung "Dialog über die Grenze"

 

„Es lohnt sich!“

Finissage der Ausstellung "Dialog über die Grenze"

Der Architekt Georges-Henri Pingusson im Kontext seiner Zeit 1946-1973

 

Die Veranstaltung findet statt am Dienstag den 18. Februar 2014 um 18.00 Uhr im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes.

 

 

Begrüßung:

Ulrich Commerçon, Minister für Bildung und Kultur des Saarlandes

 

Einführung:

Marlen Dittmann, Vorsitzende Deutscher Werkbund Saar

 

Zeitzeugenberichte:

Arno Krause, Europäische Akademie Otzenhausen

Prof. Günter Mönke, Architekt & Hochschullehrer HTW des Saarlandes

Dr. Joachim Becker, Firma Klima Becker

 

Podiumsdiskussion:

unter der Moderation von Barbara Renno, Saarländischer Rundfunk

 

Minister Ulrich Commerçon, Hausherr

Dr. Clemens Kieser, Denkmalpfleger Karlsruhe

Benoît Carrié, Maître Assistant ENSA-Versailles

 

Anschließend findet in den Räumlichkeiten des Ministeriums ein Umtrunk statt.

 

 

Den Flyer mit allen Veranstaltungsterminen können Sie sich hier herunterladen

 

 

08.-28.04.2013 | Ausstellung: Dialog über die Grenze

Der Architekt Georges-Henri Pingusson im Kontext seiner Zeit 1949-1973

Dialogue transfrontalier L‘architecte Georges-Henri Pingusson dans le

contexte de son temps 1949-1973

Ausstellungseröffnung am 8. April um 16 Uhr im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes

In Kooperation mit / En coopération avec

Stiftung Baukultur Saar und

Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und

Maison de l‘Architecture de Lorraine Nancy

Nähere Informationen und Einladung

 

In einer begleitenden Klausurtagung am 12. April wird im Rahmen dieser Ausstellung das Thema "Ungeliebte Bauten der 1950er und 1960er Jahre" an Fallbeispielen untersucht.

 

 

 

 

 

PUBLIKATION: Georges-Henri Pingusson und der Bau der Französischen Botschaft in Saarbrücken - Von Marlen Dittmann und Dietmar Kolling

 

 

 

Vorwort

Vor wenigen Jahren noch, anlässlich der 50-Jahr-Feier der ehemaligen Französischen Botschaft in Saarbrücken, wurde in Festvorträgen und mit einer Ausstellung die Bedeutung des Gebäudes gewürdigt, das der französische „Urbanist“, Architekt und Städtebauer  Georges-Henri Pingusson im Auftrag des französischen Botschafters Gilbert Grandval mit Unterstützung der beiden deutschen Architekten Bernhard Schultheis und Hans Bert Baur von 1951 bis 1954 errichtete. Stolz und nachdenklich zugleich, erinnerte man sich an eine Zeit, da das Saarland als europäisches Experiment angesehen wurde, dessen einziges materialisiertes Dokument das „schmale Handtuch“ ist, seit 1960 Sitz des Kultusministeriums, heute des Bildungsministeriums. Das war vor sieben Jahren, jetzt ist die Zukunft des Hauses akut gefährdet. Eine Betonsanierung steht an, eine energetische Nachrüstung ist dringend, zeitgemäße Büroräume werden von den Mitarbeitern erwartet. Der dafür notwendige finanzielle Aufwand scheint vielen Verantwortlichen, Politikern und Bürgern unangemessen hoch.

 

 

Der Deutsche Werkbund Saarland fordert entschieden den Erhalt des Hauses als ein Denkmal der Geschichte und als ein hochrangiges Baudenkmal. Ein vergleichbares gibt es im Saarland nicht. Es wurde zu Recht schon 1985 unter Schutz gestellt, da an der  „Erhaltung ein öffentliches Interesse aus geschichtlichen, künstlerischen, wirtschaftlichen und insbesondere städtebaulichen Gründen besteht. Der Denkmalschutz erstreckt sich auf die Anlage als Ganzes, die Gebäude, die Ausstattung (Einrichtung aus der Erbauungszeit) und die Umgebung“ (Schreiben des Konservatoramtes an den Minister für Kultus, Bildung und Wissenschaft vom 23. Juli 1985). Der Deutsche Werkbund Saarland ist sich bewusst, dass der Denkmalstatus des Pingusson- Baus die notwendige Sanierung schwierig und teuer macht. Doch es gibt gerade in der Kultur Aufgaben, deren Erfüllung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geschehen muss. In diesem Fall bedeutet das eine behutsame, die Architektur im Ganzen wie in den Details sorgfältig beachtende Sanierung. Möglicherweise können dabei nicht alle gesetzlichen Auflagen eingehalten werden. Ein Denkmal sollte Ausnahmen erlauben. Mit dieser Publikation mischen wir uns nicht ein in die Sanierungsdiskussion, weisen aber auf die historische Bedeutung des Hauses hin. Wir erinnern an Pingussons Planung für Saarbrücken und hoffen, damit das Bewusstsein für den Rang des Hauses zu vertiefen.

 

 

Reihe
Kunstlexikon Saar

Architektur und Raum

Herausgeber
Deutscher Werkbund Saarland und Institut für aktuelle Kunst



Redaktion
Oranna Dimmig, Claudia Maas

Gestaltung
Nina Jäger

Inhalt

 

  • Marlen Dittmann: L'Ambassade de France
  • Dietmar Kolling: Die Französische Botschaft und der Aufbauplan von Georges-Henri Pingusson für Saarbrücken

 

Eine PDF-Version des Druckerzeugnisses 3,4 MB kann auf den Seiten des Instituts für Aktuelle Kunst im Saarland heruntergeladen werden. 

Download



Ort und Jahr
Saarbrücken 2011

Seitenzahl, Abbildungszahl
56 Seiten, 10 Farb- und 30 S/W-Abbildungen

Verlag
St. Johann GmbH, Saarbrücken

Verarbeitung, Format
geheftet, DIN A5

Druck
Krüger Druck + Verlag GmbH, Dillingen

ISBN
3-938070-67-6
 
Preis
10,- €

PRESSESTIMMEN: Wieso sich die Sanierung des Bildungsministeriums lohnt

Eine neue Broschüre des Werkbundes Saar würdigt Pingussons Französische Botschaft, seit 1960 Sitz des Bildungsministeriums. Und was wird aus dessen Sanierung? Sie kommt.

Von SZ-Redakteur Christoph Schreiner

 


Saarbrücken.
Im Entrée wähnt man sich in einem Wandelgang, sieht im Geist den grünen Minister mit höfischer Perücke formvollendet die prachtvolle Marmortreppe hinabschreiten. Es dürfte im Saarland kein repräsentativeres Foyer geben als diese zweigeschossige, marmorverkleidete Vorhalle.  Oh ja: Georges-Henri Pingussons Französische Botschaft, seit 1960 als Kultusministerium genutzt, birgt großartige Raumstrukturen. Auch im Obergeschoss mit dem zum Park hin sich öffnenden, riesigen Festsaal. Welche bauliche Eleganz!

 

Biegt man um die Ecke in den siebengeschossigen Bürokomplex ein – besser bekannt als „schmales Handtuch“ (fast 100 Meter lang, aber nur acht breit) – sieht die Welt wieder gewohnt bescheiden aus: beengte Büros mit ruinösem Raumklima (winters zugig-kalt, im Sommer kleine Saunen); vom Lärm der Stadtautobahn umtoste Flure; dazu die bröckelnde, die Stahlarmierung in Mitleidenschaft ziehende Betonfassade des Ministeriums. Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegt die heutige Realität des 1954 fertiggestellten und seit 1985 denkmalgeschützten Pingusson-Ensembles – das als Dokument einer historischen Wegmarke des Saargebietes in den frühen 50ern von singulärer Bedeutung sein dürfte. Als Pingusson (1894-1978) von Hochkommissar Gilbert Grandval mit dem Bau einer Französischen Botschaft am Saarufer beauftragt wurde, hing man noch der Vision an, Saarbrücken werde die künftige Hauptstadt der 1952 geschaffenen Montanunion.

 

Die überfällige architektonische Würdigung von Pingussons Botschaft (und eine Aufarbeitung seiner vollständig gescheiterten Umbaupläne für Saarbrücken) unternimmt nun eine glänzende, den Bau in seinen historischen Kontext rückende, reich bebilderte Broschüre von Marlen Dittmann und Dietmar Kolling. Sie lehrt, weshalb dieses Gebäude von bau- wie regionalhistorisch herausragender Bedeutung eine behutsame Sanierung verdient. Vom Werkbund Saar aufgelegt, unterstreicht sie, wie gut die Landesregierung daran tut, den Bau ungeachtet immensen Sanierungsbedarfs zu ertüchtigen. Beschlossen ist dies. Offen ist in welchem Umfang. Laut Bildungsstaatssekretär Stefan Körner (Grüne) soll Mitte 2012 ein mehrere Optionen durchspielendes Gutachten des Architekturbüros Brünjes vorliegen, das bereits den Landtag baulich aufgewertet hat. Körner bestätigt, dass das Ministerium Anfang 2013 für fünf Jahre in ein Ausweichquartier ziehen soll, das intern bereits bestimmt sei. Konkreter wird er nicht, weil der Ministerrat noch seinen Segen geben muss.

 

Für das Ministerium steht mehr als eine Minimalsanierung an. Klar ist: Die „unzumutbaren Arbeitsbedingungen“ (Körner) für die 250 Bediensteten, von denen nicht wenige lieber heute als morgen dauerhaft auszögen, verlangen Abhilfe. Eine energetische Inwertsetzung ist unerlässlich. Was die aufwändige Dämmung der filigranen, gerasterten Fassadenstruktur bedingt. Körner rechnet mit einem zweistelligen Millionenbetrag für die Instandsetzung. Der Bund hat als Mitfinanzier abgewunken.

 

Man sieht dieses Ministerium mit anderen Augen, hat man Marlen Dittmanns detaillierte Würdigung von Pingussons Bau studiert. Begreift besser dessen ursprünglich Botschaftszwecken dienende Baustruktur (hier der Verwaltungskomplex, dort die einen „Ehrenhof“ umfangenden Flachbauten der Residenz mit den Repräsentationsräumen, dem Wirtschafts- und Wohnflügel). Sieht man dazu die Fotos aus den 50ern (mit dem Casino und den Ruhe- und Lesezimmern), wird einem nostalgisch zumute. Man ahnt, welches Potenzial dieses Bauwerk hat. Wäre sein Dach nicht der ideale Standort für ein Restaurant mit (schallgeschützter) Freiterrasse? cis

 

Zu bestellen ist die Broschüre über das Saarlouiser Institut für aktuelle Kunst unter: info@institut-aktuelle-kunst.de

 

Hintergrund

Ursprünglich hatte Pingusson in den Jahren 1947ff. den Wiederaufbau Saarbrückens geplant, woran Dietmar Kolling im zweiten Teil der Werkbund-Broschüre erinnert. Nach dem Vorbild von Le Corbusiers „Unité d’Habitation“ in Marseille wollte er dessen Modell einer „funktionellen Stadt“ adaptieren. Sein Entwurf sah etwa sieben Hochhausscheiben in Alt-Saarbrücken vor sowie einen Autobahnring rund um die Stadt in Form von Tangenten. Sein Irrtum war, eine Innenstadt mit einer grünen Wiese zu verwechseln.

Die Pläne scheiterten am Widerstand der Eigentümer, die ihre zerstörten Häuser wie gehabt aufbauen wollten. Wären sie realisiert worden, gäbe es keine Stadtautobahn am Saarufer, die City aber wäre „verkehrstechnisch besser erschlossen“ (Kolling) und von viel Grün durchzogen. Auch der St. Johanner Markt wäre 30 Jahre früher autofrei gewesen. cis

 

Beitrag vom: 04.12.2011

Saarbrücker Zeitung

 

 

 

 

 

WENIGER ABER MEHR - Chancen des demographischen Wandels

 

 

 

 

Der demographische Wandel bestimmt unsere Zukunft. Ein Rückgang der Bevölkerung mit gleichzeitiger Zunahme von alten Menschen scheint unausweichlich. Nach jüngeren Prognosen werden in Deutschland im Jahr 2030 fünf Millionen und 2050 sogar bis zu achtzehn Millionen weniger Menschen leben, die Hälfte der Bevölkerung wird dann über fünfzig Jahre alt sein. Dieser Trend ist allgemeingültig, auch wenn es geographische Unterschiede gibt. Dementsprechend wird der Abschied vom Mythos ewiger, glückbringender Prosperität noch verdrängt oder er ist längst schon akzeptiert.

 

Angesichts dieses historischen Paradigmenwechsels stehen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gleichermaßen vor neuartigen,mitunter massiven Herausforderungen. Wie sich der demographische Wandel in unseren Städten und der Region in den nächsten Jahrzehnten niederschlägt, welche negativen Folgen, aber auch welche Chancen und Möglichkeiten sich durch diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe eröffnen, wird in der Veranstaltungsreihe „WENIGER ABER MEHR“ vorgestellt und diskutiert.

 

Aus unterschiedlichen Perspektiven erörtern kenntnisreiche Referenten und Diskutanten an drei Abendveranstaltungen spezifische Aspekte dieser Entwicklung im Saarland, gesellschaftliche Folgen sowie räumliche und planungsstrategische Konsequenzen. In einem anschließenden Workshop sollen die daraus entstandenen Erkenntnisse skizzenhaft in mögliche Szenarien für Sankt Ingbert überführt werden.

 

Wir laden Sie herzlich dazu ein.

 

 

 

WENIGER ABER MEHR ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Deutschen Werkbund Saarland e.V. , dem Bund Deutscher Architekten Saarland e.V. , der Hochschule für Technik und Wirtschaft, in Kooperation mit der Mittelstadt Sankt Ingbert.

 

Den Flyer mit allen Veranstaltungsterminen können Sie sich hier herunterladen

 

 

 

Leserbrief von Prof. Dr. Klaus Guethlein zur Bergwerksdirektion

 

Auf Seite 21 der Werbebeilage der SZ vom 21.10.2010 anläßlich der Eröffnung der Saarbrücker Europa Galerie findet sich ein verkürztes Zitat aus meinem 2006  gehaltenen Vortrag (veröffentlicht im Internet), der für die ungeschmälerte Erhaltung des historischen Gebäudes der Saarbrücker Bergwerksdirektion eintritt. Im Zusammenhang dieser Beilage könnte der Eindruck entstehen, dass die Umgestaltung des Gebäudes zu einem Bestandteil der neuen Galerie damit meinen Beifall findet, was nicht der Fall ist. 

Vielmehr habe ich mich damals mit vielen Mitstreitern für die ungeschmälerte Erhaltung des historisch wertvollen Gebäudes eingesetzt, das zu den raren Meisterwerken der Saarbrücker Architektur des 19. Jahrhunderts zählt. Leider hat die Perspektive einer 170-Millionen-Investition und von 900 Arbeitsplätzen die Landesregierung und die Stadt Saarbrücken dazu bewogen, sich über die Bedenken und Einwände des Landesdenkmalrates und vieler Bürger hinwegzusetzen und der weitgehenden Entkernung des Gebäudes zuzustimmen. Immerhin wurden einige Forderungen des Denkmalamtes und des Denkmalrates, wie zum Beispiel die Erhaltung des kostbaren gusseisernen Treppenhauses (leider mit hässlichen neuen Schutzgittern) und des historischen Festsaales von den Investoren akzeptiert. Sogar die ursprüngliche Sprossenteilung der Fassadenfenster, die bereits vor dem Umbau verschwunden waren, wurde wiederhergestellt. 

 

Diese historischen Relikte werden nun als Glanzpunkte der neuen Galerie gefeiert, die dem Shopping Center Seele verleihen sollen.  Inzwischen ist den Erbauern derzeit modischer Shopping Malls nämlich aufgegangen, dass sie mit öden  funktionalistischen Warencontainern aus Beton, Stahl und Glas kaum noch Käufer anzuziehen vermögen, die mit dem Einkauf auch das Erlebnis eines ästhetisch attraktiven Ambientes erwarten. Und dieses nur mit den abgegriffenen Kunststücken moderner Architektur und Design zu schaffen, will immer seltener gelingen. 

So wird das lange waltende Tabu der Moderne aufgebrochen, nämlich einer Bezugnahme auf die historische Architektur früherer Epochen. Neuerdings ist es Mode geworden, das Neue mit dem Alten zu verbinden, auch wenn das Alte häufig gar nicht so alt ist wie es sich gibt. Prominente Beispiele dafür sind der Wiederaufbau des Braunschweiger Stadtschlosses, dessen Inneres sich als ECE-Einkaufs-Center entpuppt, oder die neue Frankfurter Galerie nahe der Hauptwache, My Zeil, die neben schwankenden, scheinbar erdbebengeschädigten Hochhäusern auch mit der Rekonstruktion eines Barockbaus aufwartet, dem Palais Thurn und Taxis, das nach seiner Kriegszerstörung über sechs Jahrzehnte weitgehend aus dem Frankfurter Stadtbild verschwunden war. 

Wird man als Architektur-Historiker solche Rückgriffe auf verschwundene Meisterwerke historischer Architektur noch zähneknirschend hinnehmen, ist die Indienstnahme intakter historischer Gebäude jedoch für jeden, dem das unversehrte und unverschandelte historische bauliche Erbe am Herzen liegt, nicht akzeptabel. 

 

Zumal die historischen Gebäude nun in den oft recht kurzfristigen Verwertungszyklus dieser spekulativen Einkaufs-Paradiese geraten. Und wie kurzlebig solche Gebilde sein können, belegt gerade die Saarbrücker Saar-Galerie, die nach weniger als zwei Jahrzehnten zum großen Teil schon wieder verschwunden ist und nur als marginales Relikt der neuen Europa Galerie überlebt. Die neue Galerie präsentiert sich nun als prunkvolle, dreifach vergrößerte Neuausgabe der ehemaligen Saar Galerie, die durch schiere Größe derenFehlschlag doch noch in einen Erfolg zu verwandeln hofft. Dabei wurde jedoch der damalige Fehler nicht vermieden, ist vielleicht unvermeidlich. Die Europa Galerie oder Passage steht nämlich am falschen Standort. 

Johann FriedrichGeist hat bereits 1969 in seinem Buch Passagen, ein Bautyp des 19. Jahrhunderts auf die wichtigste Bedingung für den Erfolg solcher gedeckter Einkaufsstraßen hingewiesen: sie müssen zwei Geschäftsstraßen miteinander verbinden. Der Passant soll durch sie den Vorteil einer attraktiven überdachten fußläufigen Abkürzung zwischen zwei Einkaufsstraßen gewinnen. Bei der Saar Galerie gab es zwar einen großen Eingang, aber keinen entsprechenden Ausgang am anderen Ende, vielmehr war sie eine Sackgasse oder ein Blinddarm. Ein richtiger Standort wäre beispielsweise in Saarbrücken zwischen der Bahnhofsstraße und der Kaiserstraße gegeben. 

Als die beiden großen Märkte am Ende der Saar Galerie, ein Lebensmittel Markt und ein Media Markt, diese Filialen wegen mangelndem Umsatz schlossen, verfielen im Anschluß auch alle anderen Läden allmählich diesem Schicksal. Auch bei der neuen Europa Galerie finden sich am Ende der dreigeschossigen Laden Straße wieder die gleichen Märkte, aber kein großer Ausgang in eine weitere Geschäftstraße. 

 

Daß das von Geist festgestellte Lebensprinzip der Passagen auch heute noch gilt, bewies nicht nur die Saar Galerie. In Mannheim konnte man beobachten, dass die zwischen den Planken und der Fressgasse gelegene Planken Passage seit vielen Jahren erfolgreich funktioniert, die am Ende der Breiten Straße und dem Kurpfalz Kreisel neu errichtete Kurpfalz Passage trotz ihrer durchaus attraktiven postmodernen Architektur nach wenigen Jahren jedoch wieder verschwand. Auch hier lief die Passage nur parallel zur Breiten Straße, sie bot keinen Durchgang zu einer weiteren Einkaufsstraße, sondern kehrte am Ende in diese zurück. Warten wir also ab, wie sich die Saarbrücker Europa Galerie entwickelt und hoffen im schlimmsten Fall, dass das Baukunstwerk Bergwerksdirektion ihr nicht endgültig zum Opfer fällt. 

 

Prof. Dr. Klaus Güthlein 

Universität des Saarlandes

28.10.2010

 

Bis auf die Hülle

 

 

 

Am 21. Oktober 2010 eröffnete in Saarbrücken die „Europa-Galerie“, ein weiteres umstrittenes Einkaufszentrum des Projektentwicklers ECE. Dafür wurde eines der wichtigsten Baudenkmale des Saarlandes, die ehemalige Bergwerksdirektion, rücksichtslos ausgeweidet und überformt.

 

 

  

 

Ein Kommentar des ehemaligen Landeskonservators und Werkbundmitglied

Johann Peter Lüth. Erschienen in der Bauwelt - Ausgabe 41/2010

 

 

Hinter den Fassaden der ehemaligen Bergwerksdirektion und der vormaligen „Saar-Galerie“ unweit des Saarbrücker Hauptbahnhofs wurden für 170 Millionen Euro 110 Geschäfte mit 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eingerichtet. Anlass für die Zusammenfügung dieser beiden so unterschiedlichen Großbauten bot die in den späten 1980er Jahren von gmp geplante Saar-Galerie. Funktionale und städtebauliche Mängel hatten den dauerhaft wirtschaftlichen Gebrauch des Einkaufszentrums verhindert. Die Immobilie wechselte häufig Eigentümer, Management und Mieter. Es musste – darin waren sich Stadtrat, Stadtplanungsamt‚ Städtebaubeirat und Wirtschaft einig – etwas passieren.

 

Dass deswegen die benachbarte, gerade erst von der RAG-Saarberg AG vorbildlich instand gesetzte und als Verwaltungssitz genutzte Bergwerksdirektion ruiniert werden musste, war weder städtebaulich zu begründen noch funktional erforderlich. Zwischen der Reichs- und der benachbarten Viktoria­straße hätten sich ausreichend ungenutzte und hinfällige Gebäude zu alternativem Gebrauch gefunden. Zur Not hätten auch 17.000 Quadratmeter einer leicht erweiterten Saar-Galerie auf eigenen Grundstücken genügt. Auf Wettbewerbe zur Erkundung dieser und anderer Möglichkeiten eines denkmalverträglichen Gebrauchs der Bergwerksdirektion, des „Stadtschlosses“ des königlich-preußischen Bergfiskus, verzichteten Stadt und Bauherrschaft. Schnell hätte sich erwiesen, dass sich Substanz und Grundriss des Denkmals mit einem „Einkaufscenter“ nicht vertragen.

 

Aber Schlösser haben Konjunktur, das zeigen nicht nur die Schlossprojekte für Berlin, Potsdam und Hannover. Auch das ECE-Management liebt Schlösser und „rekonstruiert“ sie sich und seinem Publikum – wie in Braunschweig – oder ruiniert sie durch Auskernung‚ solange noch ein ansehnliches Architekturbild übrig bleibt – wie in Saarbrücken. Weder die Proteste der Bürger noch die Aufklärungsaktionen des Deutschen Werkbundes Saar zur Rettung des Denkmals vor falschem Gebrauch, noch 7000 Unterschriften beeindruckten die Regierung des Saarlandes, geschweige denn die Stadt Saarbrücken.

 

Im Jahr 2006 stellte Ministerpräsident Peter Müller dem ECE-Geschäftsführer Alexander Otto bei einem kleinen Mittagsgespräch in der Staatskanzlei die denkmalrechtliche Erlaubnis zur Entkernung des Gebäudes in Aussicht. Auch eine Mahnwache der Bergleute konnte die Bauherren nicht umstimmen. Durch die Totalentkernung wurde die wertvolle Innenausstattung des Baus vernichtet: die technisch bemerkenswerte Lüftungs- und Heizungsanlage, das rhythmische Stakkato der Rundbogen-Flurfluchten, die Raumerschließung sowie alle Treppen – abgesehen von der gusseisernen Haupttreppe des Eckeingangs. Abgebrochen wurden die Dachkonstruktionen und alle Geschossdecken. An ihre Stelle traten weitgespannte und in der Höhenlage mit den Fassaden nicht mehr korrespondierende, über Rampen und Rolltreppen erschlossene neue Decken. Damit hatte man nicht nur die substanzielle Übereinstimmung von innerer und äußerer Architektur des Gropius-Schmieden’schen Meisterwerks zerstört, mit der Entkernung verloren sich zugleich alle Sinnzusammenhänge des Gestalt- und Kompositionskanons des für die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts modernsten, nahezu alle Historismen überwinden­den Rundbogenstils.

 

Doch damit nicht genug: Die geretteten, jetzt „potemkinschen“ Fassaden wurden durch Regenwasser, das über offene Mauerkronen einsickerte, schwer beschädigt; einschwingende Rampen, vorgeklebte Erschließungsgalerien und disproportionierte Durchgänge stören die vormals essentiell schlichten Fassaden des Innenhofs. Stadträumlich bedeutsamer wirken die Beschädigungen der durch Pavillons rhythmisierten, ungleich langen Flügelbauten an Trierer und Reichstraße. Durch den Abbruch der Hauptzugangstreppe des Eckpavillons und ihren Ersatz durch eine behindertengerechte Platzrampe unter auskragendem Glasdach ist die Eckarchitektur als point de vue der Straßengabel von Viktoria- und Bahnhofstraße kaum noch auszumachen. Dass auch das große Oval des modernen Spiegelbrunnens davor abgebrochen wurde, wird vor allem dem Sicherheitsdienst des Einkaufstempels gefallen, ist damit doch ein Lieblingsplatz der Obdachlosen weggefallen. Zum Unglück der architektonisch und stadträumlich mehr als fahrlässigen Übergänge und Anschlüsse der Bergwerksdirektion an die zeitgenössische Architektur der Erweiterungen schweigt des Sängers Höflichkeit.

 

Eine wenig rühmliche Rolle in dieser Tragödie spielt die saarländische Denkmalpflege. Als Untere Denkmalschutzbehörde folgte sie allen Wünschen des Bauherrn, als eigentlich zuständige Landesdenkmalpflege schwieg sie – man sprach von ei­nem Maulkorb – so lange, bis im 2004 novellierten Denkmalgesetz Fach- und Vollzugsbehörde zusammenfielen und Josef Baulig, vormals städtischer Denkmalpfleger, zum Leiter des neuen Landesdenkmalamts bestellt wurde. Baulig verantwortet die Zerstörung der Bergwerksdirektion mit nicht näher definierten gesamtgesellschaftlichen „Argumenten“ und lobt sie als gelungen. Das dürfte zumindest die ECE-Stiftung „Lebendige Stadt“ ähnlich sehen.

 

Für die Genehmigung der Veröffentlichung bedanken wir uns
auch bei der Redaktion der “Bauwelt”. Ausgabe 41, 2010 : Hier als pdf-download

Künstlerblatt Architektur - Gottfried Böhm

 

 Das Künstlerblatt erschien

zur Ausstellung

 

- Gottfried Böhm -

 

"Bauten und Projekte im Saarland“

  

die vom 7. bis 28. März 2010

im Historischen Museum Saar stattffand.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus Anlass des 90. Geburtstages von Prof. Gottfried Böhm sowie 20 Jahre Saarbrücker Schloss zeigten der Deutsche Werkbund Saar, der Regionalverband Saarbrücken, und die Aufbaugesellschaft Saarbrücker Schloss in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum Frankfurt und dem Historischen Museum Saar Handzeichnungen Gottfried Böhms und Fotos zu seinen saarländischen Bauten und Projekten.

 

 

Begleitpublikation zur Ausstellung

Erschienen im Institut für aktuelle Kunst im Saarland mit der Förderung des Deutschen Werkbund Saar.

 

Reihe
Künstlerblätter Architektur

 

Herausgeber
Jo Enzweiler, Marlen Dittmann, Johann Peter Lüth, Deutscher Werkbund Saar

 

Gestaltung
Nina Jäger

Inhalt
- Marlen Dittmann: Gottfried Böhm - Bauten und Projekte im Saarland

- Johann Peter Lüth: Von der Rekonstruktion zur Instandsetzung und Komplettierung des    Saarbrücker Schlosses. Innenansichten zu einem zwölfjährigen Planungsprozess

 

Ort und Jahr
Saarbrücken 2010

 

Seitenzahl, Abbildungszahl
24 Seiten, 12 Farbabbildungen, 27 S/W-Abbildungen

 

Verlag
St. Johann GmbH, Saarbrücken

 

Verarbeitung, Format

geheftet, DIN A4

 

Druck
Krüger Druck + Verlag GmbH, Dillingen

 

ISBN
3-938070-47-1

 

Preis
7,- €

 

http://www.institut-aktuelle-kunst.de