Dipl.-Ing. Bertram Weisshaar ist ausgebildeter Fotograf und studierter Landschaftsplaner. Seit 1996 ist er freiberuflich in Kooperation mit unterschiedlichen Institutionen und Auftraggebern in der Rolle des Spaziergangsforschers und Mediators tätig, der vor Ort und in der Bewegung erklärt, fragt, übersetzt und anregt. 1998 – 2001 führte er in Dessau das Atelier für Spaziergangsforschung und Unternehmungen alias, 2001 gründete er in Leipzig das Atelier LATENT. Bertram Weisshaar betreibt seit 2011 die Webplattform www.talk-walks.de zur Veröffentlichung von virtuellen Spaziergängen, mittels derer Audio-Inhalte im geografischen Raum verortet werden. Darüber hinaus startete er eine Initiative zur Etablierung eines (um)weltlichen Pilgerwegs quer durch das Land und „die kritische Landschaft“ von Aachen bis Zittau; die Erstbegehung war 2015. Von Bertram Weisshaar stammen zahlreiche Ausstellungs-Beiträge zu den Themen neue Garten-Kunst und Gehen als künstlerische Praxis. Für seine Arbeiten erhielt er mehrere Preise und Stipendien: U. a. war er „artist in residence“ in Krems an der Donau.

TALK WALKs Formate in Fortbewegung

„Es kommt bei allem nicht auf die Sache selbst sondern auf den Blick an, mit welchem man diese betrachtet“, wusste schon Heinrich von Kleist. Wie wir die Dinge also wahrnehmen, ist somit nicht weniger spannend zu untersuchen, als wie sie möglicherweise sind. Dabei bedingt die Art und Weise unserer Fortbewegung ganz wesentlich, welches Bild wir von der Welt erhalten: Am unmittelbarsten ist und bleibt hierbei das Gehen. „Die Fähigkeit der persönlichen unmittelbaren Beobachtung zu trainieren“ begriff der langjährige Chefredakteur des Landscape Architecture Magazin Grady Clay als „ultimativer Zugang zum Verständnis der Welt“. Durch die spezifischen Qualitäten zur Analyse, Kritik und unmittelbaren Vermittlung von Raum und Atmosphären erfüllt der promenadologische Spaziergang (nach Lucius Burckhardt) die Funktion eines Mediators, der vor Ort erklärt, fragt, übersetzt und anregt. In dem Sinne wie dies der französische Geograf Yves Lacoste einforderte, „dass man der großen Mehrheit der Bevölkerung hilft, den Raum – vor allem den Raum, in dem sie leben – gedanklich zu erfassen, damit sie besser in der Lage ist, klar und deutlich zu sagen, was sie will.“