Industriearchitektur in Sachsen

erhalten - erleben - erinnern

Zwei Jahrhunderte Industrie

Sachsen Kulturreichtum und Identität basieren auf Gewerbe und Industrie. Ausgehend von seiner einzigartigen Gewerbetradition vollzog Sachsen den Wandel vom Agrar- zum Industrieland schneller als andere Regionen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts galt es als Pionier der europäischen Industrialisierung.

 

Eine von kleinen und mittleren Betrieben geprägte Wirtschaftsstruktur brachte eine Vielzahl von Industriearchitekturen mit zum Teil eigenständigen sächsischen Formen hervor. Dadurch war der sächsische Industriebau um 1900 eine der wichtigsten Quellen der weltweit wirkenden Architekturreformen.

 

Überkommene Strukturen in den staatsgelenkten Unternehmen stoppten zwischen 1945 und 1989 die kontinuierliche Entwicklung der sächsischen Wirtschaft. Die Folgen von Krieg und Reparationsleistungen, Enteignungen, zentraler staatlicher Planwirtschaft, einengender Ideologie sowie die Einbindung der DDR in einen von der UdSSR dominierten Wirtschaftsraum waren ein allgemeiner Modernisierungsrückstand sowie ein Sanierungs- und Erneuerungsstau.

 

Nachgeholt wurde der aufgeschobene wirtschaftliche Strukturwandel nach 1990 umso radikaler: Die Wirtschaft brach weitgehend zusammen, den Fabriken wurden ihre Funktion und ökonomische Basis entzogen, eine große Zahl nicht genutzter Industrieimmobilien verfiel.

 

Die Ausstellung „Industriearchitektur in Sachsen: erhalten – erleben – erinnern“ fördert Konzepte zur Überwindung des Leerstandes bedrohter Industriedenkmale und deren Erhalt durch neue Nutzung. Sie greift damit auch in die Diskussion um eine „sächsische Industriekultur“ ein.

 

 

Den Wandel gestalten

 

erhalten Über Jahrzehnte war es üblich, für weiterentwickelte technische Anlagen und Maschinen neue Fabrikgebäude zu errichten. Die alten wurden abgerissen oder, wenn geeignet, für andere betriebliche Zwecke genutzt, beispielsweise für Verwaltungsaufgaben, soziale Betreuung und als Materiallager. Dieses Prinzip der Umnutzung kann auch heute angewandt werden. Aus Fabriketagen werden Lofts, Ateliers von Dienstleistern, gemeinnützige Einrichtungen im Sozial- und Kulturbereich, aber auch gewerbliche Flächen auf der Grundlage neuer Produktionsstrukturen.

 

erleben Der Abbruch historischer Industriegebäude erweist sich bei weiterführendem Nachdenken nur dann als gerechtfertigt, wenn er der Stadtökologie dient, wenn aus überdichten Strukturen und Flächenversiegelungen wieder durchgrünte Bereiche werden. Größtenteils jedoch bieten die alten Bauwerke ein enormes Potential für eine neue, langfristige Nutzung, die der sich Vergangenes und Zukünftiges zu einer neuen Erlebnisqualität vereinigen. Vor allem für die junge Generation kann dies ein Argument für das Wohnen und Arbeiten in der sächsischen Heimat sein.

 

erinnern Industriegeschichte ist ein wichtiger Teil der sächsischen Kultur. Durch Verfall und Abbruch verloren gegangene Zeugnisse dieser Geschichte hinterlassen vor allem in Sachsen Lücken in den gewachsenen Strukturen von Stadt und Land und gleichermaßen im Erinnerungsspektrum der Bürger. An entstandene Verluste auf geeignete Weise zu erinnern, hilft, Kontinuität im öffentlichen Bewusstsein zu erhalten, denn „Zukunft braucht Herkunft“ (Odo Marquard).

Ausstellung Leipzig 02.04.14

Ausstellung Oelsnitz 12.09.14-04.01.15

Ausstellung Radeberg 10.04.15-28.06.15

Ausstellung Freiberg 23.10.15-20.02.16

 

Industrie-Architektur in Sachsen Erhalten durch neue Nutzung

Bernd Sikora mit Fotografien von Bertram Kober

ISBN 978-3-361-00654-6, erschienen 2010, Verkaufspreis 29,90 €

Im Jahr 1799 begann in Sachsen mit drei Spinnereien das Industriezeitalter,

und schon im 19. Jahrhundert gehörten Fabrikgebäude zu den eindrucksvollsten

Bauwerken in Städten und vielen Landgemeinden. Im

20. Jahrhundert wurde der Fabrikbau durch die neuen Materialien Stahl,

Glas und Beton zu einem wichtigen Impulsgeber für die moderne Architektur.

Die These »Funktion bestimmt die Form« war dabei das Leitbild.

Am Ende des Jahrhunderts führten die elektronischen Techniken und

die weltweite Vernetzung der Industrie und des Handels in den traditionellen

Industrieländern zu einem folgenreichen Umbruch: Die Gebäude

aus den früheren Jahrzehnten erwiesen sich als ungeeignet für die neue

Gestalt der industriellen Welt. Sie wurden nicht mehr benötigt und fielen

brach. Gegen einen Abbruch sprachen die kulturelle Bedeutung der Bauwerke

und das in vielen Fällen erhebliche bauliche Potenzial – die ursprüngliche

These für die Architektur veränderte sich in »Form sucht

Funktion«. Viele Konzepte entstanden hierfür vor allem nach 1990.

Etliche von ihnen waren erfolgreich, einige auf eine beeindruckende und

unerwartete Weise.

 

Das Buch dokumentiert anhand von mehr als 60 Beispielen die unter –

schiedlichen Möglichkeiten, wertvolle Industriebauten durch eine neue

Nutzung und damit als Zeugnis der Industriekultur zu erhalten. Bedeutende

Industrieobjekte, die noch auf eine Erneuerung warten, werden in

einer Auswahl vorgestellt. Aufschlussreiche Textbeiträge geben einen

Überblick über die Geschichte der sächsischen Industrie, der Industriearchitektur

sowie der Industriedenkmalpflege und stellen die Vielfalt

neuer Nutzungskonzepte zur Diskussion.

 

Käuflich zu erwerben zuzüglich Porto und Versand

Verfasser
Deutscher Werkbund Sachsen e.V.

Rubrik
Aus den Medien