Rückblick: „Mein Großvater Adelbert Niemeyer“ – mit Wolfgang Niemeyer

13.10.2025

Es war eine gut besuchte, von unserem Vorstandsmitglied Christian Schuberth organisierte, Montagsrunde in der Orangerie der Münchner Reitschule: Adelbert Niemeyer (1867–1932) war eines von zwölf Gründungsmitgliedern des Deutschen Werkbundes im Jahr 1907. Sein Enkel, Landschaftsarchitekt und Werkbund-Mitglied Wolfgang Niemeyer charakterisiert ihn in seinem ausführlichen aber kurzweiligen Vortrag als Künstler, Mensch und „Werkbündler“.

Niemeyer begann mit der Malerei, widmete sich dann dem Kunstgewerbe, und gestaltete unter anderem Passagierkabinen für HAPAG-Lloyd, Flügel für die Firmen Bechstein und Blüthner, Porzellangefäße, Türdrücker, einen Pavillon für die Bäckerei Seidl, Tapeten, Leuchten und mehr. Seine Zeichnungen sind mittlerweile Teil der Neuen Sammlung. Er hatte Kontakt zu Clara Schumann und Brahms, spielte selbst sehr gut Klavier und interessierte sich für moderne Kompositionen.

An die Schule erinnerte er sich ungern. Sein Lebensweg war nicht einfach, seine Bewerbung an der Akademie München wurde abgelehnt, später war er dort Professor. Riemerschmid übertrug ihm an der Kunstgewerbeschule die Abteilungen Töpferei und Glaskunst. Niemeyer arbeitete für alle staatlichen Porzellanmanufakturen und kämpfte für die klare neue Form. Bei Schloss Nymphenburg wurde ihm ein Atelier eingerichtet. Um dem Geschmack des Marktes zu genügen, wurde allerdings von ihm verlangt, seine Formen mit Dekoren zu versehen, mit denen er nicht einverstanden war.

Als Architekt war er bestrebt, das Äußere und das Innere in Einklang zu bringen. Er entwarf günstige und leicht zu bauende Holzhäuser sowie 1907 das Seehaus der Familie in Eching am Ammersee. Gemeinsam mit seinem Nachbarn, dem Künstler Hans Beat Wieland, erfand er das etwas seltsame einsaitige Streichinstrument „Cococello“, dessen Resonanzkörper aus einer halben Kokosnuss besteht.

Es war ein interessanter Abend über einen vielseitigen Künstler und Werkbund-Mitgründer.

Text: Martin Schnitzer

Verfasser
Deutscher Werkbund Bayern e.V.

Rubrik
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