"Elsa" und "Kästrich" im Vergleich
Anlässlich seiner Berufung in den Werkbund Rheinland-Pfalz im Frühjahr 2025 lud Robinson Michel am 11. Oktober zu einer halbtägigen Führung durch zwei sehr gegensätzliche Wohnsiedlungen der Spätmoderne in Mainz: die Hochhäuser der Elsa-Brändström-Straße in Gonsenheim und die Wohnanlage auf dem Kästrich.
Die beiden Siedlungen stehen für sehr unterschiedliche städtebauliche Konzepte des 20. Jahrhunderts. Während die „Elsa“ ein später Versuch war, auf der grünen Wiese der nachkrieglichen Wohnungsnot Herr zu werden und zugleich die neue Landeshauptstadt zu einem ernstzunehmenden Player im Rhein-Main-Gebiet auszubauen, reagierte die Wohnanlage auf dem Kästrich viel stärker auf den sie umgebenden Gebäudebestand. Städtebauliche Setzung, Bauvolumen und Fassadengestaltung wurden mit Bedacht gewählt und verorten die Anlage inmitten der gewachsenen Altstadt.
Vormittags führte Robinson Michel durch die Hochhäuser der „Elsa“. Über sechs Jahre wohnte er selbst dort und konzipierte 2022 außerdem die Ausstellung „Auf Sand gebaut“ zum 50-jährigen Jubiläum der Hochhäuser in Zusammenarbeit mit dem Stadtteiltreff Gonsenheim. Nach der Mittagspause zog die Gruppe weiter zum Schillerplatz, von wo aus die Wohnanlage auf dem Kästrich besichtigt wurde. In dem Buch „Mainz 1970–2000. Das neue Selbstverständnis in der Architektur“, das Michel mit der Gruppe Die Betonisten und Werkbundmitglied Dr. Rainer Metzendorf 2024 herausgab, ist die bei vielen noch unterschätzte Siedlung ausführlich beschrieben und gewürdigt.
Das Werkgespräch zeigte zwei Wohnanlagen im Vergleich, die beide die Sprache ihrer Entstehungszeit sprechen und über herausgehobene Qualitäten verfügen.
Fotos: Alexander Gratza und Peter Kneip
Rubrik






