Rückblick: Podiumsdiskussion der Initiative UNSER.STADT.RAUM: Ein Geschenk an die Stadt.
Die Podiumsdiskussion der von Werkbund-Mitglied Johannes Zettel gegründeten Initiative UNSER.STADT.RAUM am 12.02.2026 im „Leeren Beutel“ hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Zukunft des ehemaligen Kaufhofs längst ein zentrales Thema der Regensburger Stadtgesellschaft geworden ist. Entsprechend groß war der Andrang: Der Saal bietet 150 Sitzplätze, doch gekommen waren rund 275 Personen, darunter auffallend viele junge Menschen.
Bei der Veranstaltung wurde der breite politische Grundkonsens für den Erhalt des Gebäudekomplexes deutlich. Es wurde aber auch klar, dass es nun darauf ankommt, die Diskussion zu konkretisieren und tragfähige Perspektiven für eine zukünftige Nutzung zu entwickeln. Besonders wertvoll war der intensive Austausch im Anschluss an die Veranstaltung, der das große Bedürfnis nach Beteiligung und Dialog gezeigt hat. Die Diskussion war ein wichtiger Auftakt für die Initiative und zugleich ein klarer Auftrag, das Thema weiter aktiv voranzubringen. Geplant sind eine Informationsveranstaltung mit den Anrainern des Neupfarrplatzes sowie ein größerer Event gemeinsam mit dem Architekturkreis Regensburg und der Bundesstiftung Baukultur. Im Herbst soll eine Vortragsreihe mit Best-Practice-Beispielen folgen.
Leerstand als Möglichkeitsraum: Der Impulsvortrags von Siegfried Dengler, Leiter des Stadtplanungsamts Nürnberg und Vorstandsmitglied des Deutschen Werkbund Bayern, widmete sich dem Umgang mit großmaßstäblichen Leerständen als zentraler Herausforderung und zugleich Chance aktueller Stadtentwicklung:
Ausgangspunkt waren vier Nürnberger Projekte: das Entwicklungsprojekt der Evangelischen Landeskirche, das ehemalige Quelle-Versandzentrum als einer der größten Leerstände Deutschlands, der frühere Kaufhof in der Innenstadt sowie die Reaktivierung des AEG-Areals. Allen Beispielen ist gemeinsam, dass sie aus Krisen hervorgegangen sind – ausgelöst durch Strukturwandel und Funktionsverlust – und dass die Stadt jeweils als aktive Impulsgeberin agierte. Sie übernahm Verantwortung für Richtung und Prozess, ohne alle Entwicklungen selbst zu steuern. Ebenso verbindend ist die Rolle von Kunst und Kultur, die in allen Fällen wesentlich zur Aneignung und Öffnung der Orte beitragen.
Der zweite Teil des Vortrags rückte den Blick auf grundsätzliche Fragen: Leerstand wurde nicht primär als Defizit, sondern als Möglichkeitsraum verstanden – als Zustand, in dem Zukunft noch nicht festgelegt ist. Konversionsprozesse erscheinen dabei weniger als planbare Projekte denn als offene, oft widersprüchliche Lernprozesse. Zwischennutzungen werden zu zentralen Instrumenten: nicht als Übergang, sondern als produktive Phase der Erprobung und Neuverhandlung. In Anlehnung an die Überlegungen des Stadtsoziologen Richard Sennett wurde die „offene Stadt“ als Leitbild formuliert – eine Stadt, die Unfertigkeit zulässt und Entwicklung ermöglicht. Planung bedeutet hier nicht in erster Linie Festlegung, sondern das Schaffen von Rahmenbedingungen für Aneignung, Mischung und Veränderung.
Vor dem Hintergrund des strukturellen Wandels im Einzelhandel wurde zudem die Rolle der Innenstädte neu bewertet. Mit dem Bedeutungsverlust großer Warenhäuser verschwinden nicht nur Handelsfunktionen, sondern auch soziale Räume. Die Frage nach neuen „Dritten Orten“ – offenen, gemeinschaftlichen Räumen jenseits von Wohnen und Arbeiten – rückt damit ins Zentrum der Stadtentwicklung. Konversionsprojekte dieser Größenordnung verlangen Zeit, Vertrauen und eine aktive Stadtgesellschaft. Sie beginnen in der Krise, können jedoch zu prägenden Orten einer zukünftigen Stadt werden. Leerstand erweist sich so nicht nur als Verlust, sondern als produktiver Moment – als Aufforderung, Stadt neu zu denken und als offenen Prozess zu begreifen.
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