Exkursion nach Südtirol

09. bis 11. Mai 2019

Als am Donnerstag, den 9. Mai 2019 frühmorgens 16 Werkbundmitglieder und -freunde an der Seidlvilla abgeholt wurden, war manchem nicht ganz klar, ob aus dieser Fahrt nicht eine reine „Sauffahrt“ würde, war doch mit Prof. Andreas Hempel ein „Beer-Expert“ und Diplom-Sommelier unser Reiseführer. Dass dieser jahrzehntelang praktizierender Architekt, Präsident des Bundes Deutscher Architekten BDA, sowie Vizepräsident der Internationalen Architekten Union UIA war sowie dank seiner Baukulturseiten in der Südtiroler Tageszeitung Dolomiti in der Gestalterszene Südtirols bestens vernetzt und nicht zuletzt kulturell beschlagen ist, wurde den Reiseteilnehmern schnell klar.

In Mals -nach einer Fahrt über die Alpen bei schönstem Wetter- trafen wir endlich Prof. Hempel und erfuhren viel über das Dilemma der Südtiroler Land- und Weinwirtschaft. Während einerseits gerade im Vinschgau um Mals herum intensiv bewirtschaftete Apfelplantagen das Landschaftsbild bestimmen (etwa 2% der weltweiten Apfelernte kommt aus Südtirol!), bemühen sich Privatwinzer, aber auch z.B. die Genossenschaft Kaltern um einen zunehmend biodynamischen Obstanbau.

Gepaart mit technischen Entwicklungen wie denen des H2-Zentrums in Bozen, an dem Wasserstoffantriebe entwickelt werden für LKWs, PKWs, aber auch die energetische Hausversorgung, wird in Südtirol der privatwirtschaftliche Wille zu einem technischen Paradigmenwechsel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität eindrucksvoll verdeutlicht.

In unseren drei Tagen bekamen wir Einblicke in eben dieses H2-Zentrum, die Winzergenossenschaften Tramin, Meran-Burggräfler und Kaltern sowie die Einzelwinzer und Obstbauern Josephus Mayr (Erbhof Unterganzner) und Michael Graf Goess-Enzenberg (Manincor). Dabei durfte von uns natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass gerade bei den Weinbaubetrieben in den letzten Jahren ein enormer technischer und gestalterischer Aufwand betrieben wurde, um eine Qualitätssteigerung zu erbringen, die den Weinskandal von 1985 vergessen machen sollte, gleichzeitig aber auch um mit einer positiven Außendarstellung zu werben. Hier fielen Architektennamen wie feld72 aus Wien, Walter Angonese und v.a. Werner Tscholl.

Einen Ausgleich zu diesen thematisch eher im Zeitgenössischen angesiedelten Stationen boten uns eine sachkundige Führung Andreas Hempels durch die Alt- und Neustadt Bozens, die berühmten Fresken der Prokoluskirche in Naturns sowie Spaziergänge durch die Altstadt von Kaltern und die gründerzeitlichen Villen der Sommerfrische oberhalb Bozens. Und dann gab es da noch unsere Unterkunft, das Hotel Ambach am (Kalterer) See! Jüngst unter strengsten, selbstauferlegten Denkmalschutzbestimmungen von Walter Angonese aufgefrischt und um ein Badehaus erweitert, bot es uns einen idealen Ausgleich zu den vielen Stunden, die wir im Bus und auf Schusters Rappen verbrachten.

Das vielfältige dreitägige Programm können Sie sich zur Ansicht HIER herunterladen.

 

Beitragsbild © Prof. Dr. Andreas Gottlieb Hempel

 

Verfasser
Deutscher Werkbund Bayern e.V.

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