Katt Both. Bauhaus-Architektin aus Kassel. Die Ausstellung.
Kassel im Januar 2026. Anlass ist die Bauhaus-Architektin, Designerin und Fotografin Katt Both aus Kassel, deren Nachlass erst kürzlich entdeckt und jetzt erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die diskursive Ausstellung wird von den Studierenden des Fachgebiets Entwerfen und Gebäudelehre von Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs der Uni Kassel mit der Kunsthistorikerin Dr. Ute Maasberg entwickelt, konzipiert und umgesetzt. Beiträge von Studierenden der Klasse für Intermediale Fotografie im künstlerischen Feld, Prof. Peggy Buth der Kunsthochschule Kassel und dem Fachgebiet Landschaftsästhetik im Entwurf von Prof.
Fanny Brandauer der Uni Kassel wie auch internationale Kunstpositionen, ausgewählt von der freien Kuratorin Sabine Kienzer, kontextualisieren das Leben und Werk von Katt Both in die heutige Zeit.
Dass Frauen beim Planen und Bauen eine innovative Rolle einnehmen, das war schon immer so. Dennoch bleiben Architektinnen bis heute meist hinter ihren Werken unsichtbar. Katt Both ist Exempel dafür. Sie ist vergessen, auch in Kassel. Dabei war die 1905 in Waldkappel geborene und 1985 in Kassel gestorbene Katt Both maßgeblich an der Entwicklung wesentlicher Projekte des „Neuen Bauens“ der 1920er- und 30er-Jahre, wie das Marie von Boschan Aschrott-Altersheim und die Rothenbergsiedlung in Kassel beteiligt. Beide Gebäude sind bis heute Ikonen der Moderne und wurden 1932 in der legendären Ausstellung „Modern Architecture“ im MoMA Museum of Modern Art in New York gezeigt. Der Kasseler Oberbürgermeister Hans Herbert Stadler reiste damals extra zur Eröffnung an.
Die Ausstellung in der Ausstellungshalle der Kunsthochschule Kassel, veranstaltet vom Fachgebiet Entwerfen und Gebäudelehre der Uni Kassel, bringt Licht in die Geschichte und zeigt anhand originaler Fotos, Pläne und Dokumente aus dem Nachlass unter anderem die unglaublich produktive Phase von Katt Both bis 1933. Die Emanzipation einer jungen talentierten Frau, von der Kunstgewerbeschule Kassel kommend, über die Burg Giebichenstein in Halle zum Bauhaus, ihre fotografischen Experimente und Selbstinszenierungen als Neue Frau, dazu ihre ersten beruflichen Stationen bei Fred Forbat, den Gebrüdern Luckhardt und Alfons Anker in Berlin und im Büro Otto Haesler, eigene Projekte sowie ihr Engagement für soziale, gebrauchsorientierte und neue gemeinschaftliche Wohnformen sind alle dem Glauben an eine neue und demokratische Gesellschaft verpflichtet.
Wem die Bilder der Neuen Frau der 1920er-Jahre noch kein Begriff sind, kann sich in der Ausstellung aus der großen Zahl von Fotografien einen einmaligen Einblick in die Zeit verschaffen. Sie werden ergänzt und kommentiert durch aktuelle fotografische und filmische Arbeiten von Christina Gradtke und Leonard Volkmer aus der Medienklasse der Kunsthochschule und aus internationalen Positionen, wie zum Beispiel durch gerade erst entdeckte frühe Fotoarbeiten der österreichischen Künstlerin Brigitte Kowanz oder den Film MANDA, den Isa Rosenberger in Zusammenarbeit mit Celia Millan 2023 zum Stäbetanz von Oskar Schlemmer erstellt hat.
Die Auseinandersetzung mit dem sozialen Wohnungsbau und den Lösungen in der Rationalisierung, die uns heute nach 100 Jahren ebenso wieder beschäftigen, wirft einen Blick auf die Parallelitäten der Moderne und der Situation heute. Das betrifft auch die Zerrissenheit der Moderne. Die Ausstellung thematisiert die Leerstellen und entdeckten Brüche in Katt Boths Biografie. Wie alle Architekt:innen musste Katt Both sich 1938 in die Reichskulturkammer eintragen lassen, um ihren Beruf in Deutschland ausüben zu können.
1942 wurde Katt Both Mitglied der Nationalsozialistischen Partei und erhielt eine Anstellung beim Deutschen Frauenwerk. Sie wollte von da aus den sozialen Wohnungsbau der Nachkriegszeit mitgestalten, wechselte aber nach fünf Monaten in das Büro des Bauhaus-Architekten Ernst Neufert.
Die Ausstellung zeigt die Stationen von Katt Both als Teil der gesellschaftlichen, politischen und architekturgeschichtlichen Entwicklungen. Mit experimentellen Ausstellungsformaten und den studentischen Positionen aus Kunst und Architektur aber wird eine zeitaktuelle Sichtweise in die Auseinandersetzung mit Geschichte transportiert und der Diskurs darüber herausgefordert. Das ist ein sorgsamer und weitsichtiger Ansatz, denn wir alle wissen, dass vieles, was in der Vergangenheit liegt, uns bewusst sein muss, damit es sich nicht wiederholt.
Ein Beiprogramm zur Ausstellung setzt den zeitaktuellen Diskurs zu den Ausstellungsthemen fort. Die Ausstellung ist für ein breites Publikum aller Altersstufen konzipiert, um durch das Leben und Werk von Katt Both Zeitgeschichte mit allen Sinnen zu erfahren und ins Heute zu reflektieren.
Die Ausstellung wird eröffnet am 10. Februar 2026 um 18 Uhr, es sprechen der Schirmherr Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und die Präsidentin der Uni Kassel, Prof. Dr. Ute Clement. Abschluss und Finissage ist der 8. März, der Internationale Weltfrauentag.
Fotos:
Nachlass Katt Both
Ausstellungsdauer:
10.02. – 08.03.2026
Ort:
Ausstellungshalle Kunsthochschule, Menzelstraße 13, 34121 Kassel
Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.
Das Pressegespräch findet statt am 9. Februar 2026 um 11 Uhr. Die Veranstaltungsformate, die im diskursiven Ausstellungsraum stattfinden, werden Ende Januar 2026 in einer weiteren Pressemitteilung bekannt gegeben.
Die Veranstaltung wird gefördert von: Pfeiffer-Stiftung für Architektur, Kasseler Sparkasse, Stadt Kassel, Uni Kassel, GWG Kassel, Amt für Chancengleichheit der Stadt Kassel.
Rubrik

