Werkbund Label 2026 – PreisträgerInnen und Preisverleihung

10+1 ausgezeichnete Projekte und Initiativen in Karlsruhe ausgezeichnet

Die Würfel sind gefallen: Insgesamt 10+1 Projekten und Initiativen wurde am Freitag, den 9. Oktober 2026, das Werkbund Label 2026 in Karlsruhe überreicht. Zur feierlichen Preisverleihung sind fast alle PreisträgerInnen angereist, die weitesten kamen aus Hamburg und Hittisau in Österreich. Ausgezeichnet wurden außergewöhnliche Ideen, die eine herausragende innovative, zukunftsweisende oder gestalterische Qualität aufweisen, soziale oder politische Vorbildfunktion haben, umweltfreundliche Technologien und Energien einsetzen oder zivilgesellschaftliche Entwicklungen fördern. Wir gratulieren nochmals allen Ausgezeichneten und danken allen, die als Gäste dabei waren. Das nächste Werkbund Label wird 2028 verliehen, Einreichungen werden ab Frühjahr 2028 möglich sein.

Die ausgezeichneten Projekte und Initiativen im Einzelnen und in der Reihenfolge der Preisverleihung mit jeweiliger Kurzlaudatio:

Adapter e.V., Stuttgart
Adapter war die Projekteinreichung Nr. 1 der IBA’27 und ist bis heute eine ihrer klügsten Antworten auf den Wohnraummangel. Was 2018 mit vier Absolventen der Universität Stuttgart begann, macht aus gewerblichem Leerstand temporären Wohnraum: gemeinwohlorientiert, im Selbstbau und mit einem modularen System, das von Ort zu Ort weiterziehen kann. Dafür zeichnen wir Adapter aus.

Super Places, Wüstenrot Stiftung, Gemeinschaft der Freunde Deutscher Eigenheimverein e.V., Ludwigsburg
Wie Städte aussehen, ist das Ergebnis vieler verschiedener Kräfte in unterschiedlichen Zeiten und Gesellschaften. Die Gestaltung des urbanen Lebensraums aber ist kein Naturgesetz. Jeder kann mitmachen, auch junge Menschen. Für sie bietet Super Places eine Plattform zur Wissensaneignung, die auch Erwachsenen hilfreiche Tipps liefert. Dies ist ein wertvoller Impuls für die urbane Gesellschaft.

R-I-G, Ökobilanzierungstool eLCA, Schöneiche bei Berlin
Ressourcenbewusstes Bauen bedingt eine eingehende Kenntnis der Baustoffe, um bewerten zu können, ob eine bauliche Entscheidung auch energetisch effizient ist. Das Tool eLCA bildet hierfür eine Grundlage nach einheitlichen Standards. Das Handbuch ist die Handlungsanleitung, die jedem die kostenfreie Ökobilanzierung ermöglicht und somit einen wichtigen Beitrag für das Bauen liefert.

SoLawi, Solidarische Landwirtschaft e.V., Witzenhausen
Die Initiative leistet einen wichtigen Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft. Sie verbindet Ökologie und soziale Verantwortung, regionale Verbundenheit und gemeinschaftliches Engagement, bei dem Risiken geteilt werden. Sie schafft Raum für faire Bedingungen und eine Landwirtschaft, die nicht kurzfristigen wirtschaftlichen Maßstäben folgt, sondern nicht-industriell und marktunabhängig ist.

Frauenmuseum, Hittisau
Das Frauenmuseum Hittisau präsentiert seit nunmehr 26 Jahren mehr als 50 Ausstellungen zu Frauengeschichte und Frauenkultur und transportiert dadurch frauenspezifische Themen aus der Kultur-, Sozial-, Kunst- oder Architekturgeschichte überzeugend. Dieser weibliche Blick auf regionale als auch internationale Aspekte, die lange Zeit nicht oder nur marginal erforscht und dokumentiert wurden, tut not.

WeißenhOFFENCE, Studierende am Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGmA), Universität Stuttgart
Die StudentInnen werden für ihren Diskurs über die Zukunft der Weißenhofsiedlung und ihre experimentellen Ansätze ausgezeichnet. Im Projekt WeissenhOFFENCE entwickeln sie dokumentarische, fiktionale und spekulative Szenarien. Damit stärken sie die kollektive Vorstellungskraft und eröffnen neue Perspektiven auf Architektur und Stadt.

Alte Kelter, Kirchheim am Neckar
Das Projekt der Alten Kelter Kirchheim mit dem Ursprungsbaujahr 1532 zeigt beispielhaft, wie man ein ortsbildprägendes und der Gemeinschaft dienendes Gebäude erhalten und sensibel für eine zeitgemäße Nutzung weiterentwickeln kann. Dafür zeichnen wir das Projekt und seine Macher sowie Akteure aus.

New Hamburg, Hamburg
Ein urbaner Schmelztiegel wie Hamburg steht jeden Tag vor Herausforderungen. New Hamburg liegt an der Schnittstelle von Kunst, sozialer Arbeit und Aktivismus, indem Projekte in und mit dem Stadtteil umgesetzt werden. Die Bürgerinitiative der evangelischen Kirche und des Deutschen Schauspielhauses bietet Raum für Entfaltung und ist beispielhaft für die soziale Integration in einem Quartier.

The Joinery Compendium, Studio Cross Scale, Stuttgart
Das Buch ist eine umfassende Sammlung mit über 400 handwerklichen Holzverbindungen aus aller Welt, die fortlaufend erweitert wird. Die Handwerkskunst, das Verständnis dafür und das Wissen über Holz drohen heutzutage in Vergessenheit zu geraten. Dem wird begegnet, indem immaterielles Wissen in die Zukunft gerettet wird und Ausstellungen initiiert werden. Dieses Engagement verdient eine Auszeichnung.

Transsolar KlimaEngineering, Stuttgart
Als Transsolar im Jahr 1992 gegründet wurde, war die Welt noch eine andere. Energie war günstig, Umwelt- und Klimaschutz nur etwas für Romantiker oder Bedenkenträger. Seither hat Transsolar mit seinen ganzheitlichen Energiekonzepten maßgeblich zur Modernisierung der Baubranche beigetragen. Es wurden viele wichtige Impulse und Grundlagen gesetzt, ohne die das Bauen heute nicht mehr denkbar ist.

Kulturinitiative Bohnenviertel e.V., Stuttgart
Seit 2004 leistet der Verein inklusive Arbeit mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten, über Theater, Tanz und Musik, seit 2011 auch mit Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Jährliches Highlight ist ein Theaterfestival mit KünstlerInnen mit Handicap. Die Aktivitäten reichen über die Grenzen von Stuttgart hinaus und sind somit ein wichtiger gesellschaftlicher Anker.

Alle Auszeichnungen sind gleichwertig. Wir bedanken uns bei allen, die ein Projekt eingereicht und deren Vorschlag es nicht bis zur Endrunde geschafft haben. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden in den kommenden Monaten hier auf der Website des Deutschen Werkbunds Baden-Württemberg einzeln vorgestellt.

Impressionen vom Event:

Bilder: Marlyse Kernwein-Janzer, Stuttgart, sowie Verena + Thomas Geuder, Stuttgart

 

Verfasser
Deutscher Werkbund Baden-Württemberg e.V.

Rubrik
Berichte