Bonner Opernhaus Juliane Rückriem

Stellungnahme des Deutschen Werkbundes NW zur Zukunft der Bonner Bühnen / der Zukunft des Bonner Opernhauses

Einstimmig verabschiedet in der Mitgliederversammlung des Deutschen Werkbundes NW am 22. März 2026 in Bochum

 

Das Bonner Opernhaus ist akut in seinem Bestand an seinem jetzigen Ort am Rheinufer gefährdet.

Die Stadtverwaltung Bonns, der neu gewählte Oberbürgermeister Guido Déus und die Dezernentin für Sport und Kultur Dr. Birgit Schneider- Bönninger befürworten den Abriss der Oper und deren Neubau im Verbund mit Stadttheater und der Theaterwerkstätten.

Damit soll die von Stabsstelle „Zukunft der Bonner Bühnen“ präferierte Vorzugsvariante E, die von der Arbeitsgemeinschaft „Drees & Sommer und dasbauprojekt“ als eine von 5 Varianten erarbeitet wurde (nur die Variante A beinhaltet die Erhaltung und Generalsanierung der Oper), dem Rat der Stadt Bonn zur Entscheidung vorgelegt werden.

Die Vorzugsvariante E der Stadtverwaltung beinhaltet Abbruch und Zerstörung des Opernhauses.

Als Neubau in kostengünstiger „Modulbauweise“ soll die Oper in die Theaterwerkstätten an deren rechtsrheinischem Standort, in einen „Kultur Cluster“, in einem Beueler Gewerbegebiet östlich des Beueler Bahnhofs, integriert werden.

Für diese Neustrukturierung werden Kosten- und Synergiegründen angeführt. Zudem würde ein neues Kapitel in der Bonner Theatergeschichte aufgeschlagen: innovativ, kreativ und vernetzt und es würde mit dieser „Campus-Idee“ ein fruchtbarer Nährboden für die Bonner Kulturlandschaft geschaffen, so die Dezernentin für Sport und Kultur.

Oberbürgermeister Guido Déus andererseits befürwortet, dass freiwerdende Grundstück am Rheinufer, zweifellos ein Filetstück rein unter immobilienwirtschaftlichen Aspekten betrachtet, zu einer „hochwertigen städtebaulichen Komponente“ zu entwickeln.

Diese rein funktionalistische Betrachtung verkennt jedoch den unschätzbaren Wert des Bonner Opernhauses für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und dessen kulturhistorische Bedeutung für die Bürgerschaft der Stadt, der Region und der Republik als herausragendes Gesamtkunstwerk.

Für den Deutschen Werkbund NW gibt es daher nur eine richtige und kluge Entscheidung: Die Erhaltung des städtebaulich-architektonisch- künstlerischen Gesamtkunstwerkes Opernhaus der Stadt Bonn an seinem jetzigen Ort in der Flusslandschaft in seiner einmaligen Lage in der Stadt und seine Generalsanierung in seiner eindrucksvollen architektonisch- künstlerischen Gestalt.

 

Der Ort in der Mitte der Stadt

Als 1956 die Bürgerschaft der Stadt und Bonn in einem demokratischen Prozess entschied, das kriegszerstörte Theater an seinem jetzigen Ort, auf den Grundstücken der ehemaligen Stadtpalais der Freiherrn von Boeselager und Fürsten von Metternich am Rheinufer, als Stadt- und zugleich Staatstheater der jungen Republik in ihrer provisorischen Hauptstadt zu errichten, war dies ein demokratischer Akt der kulturellen Selbstermächtigung.

 

Das Haus: „Die Götter fleh ich an, zu enden meine Not!“ (Orestie)

Aus den zum Wettbewerb eingereichten Arbeiten, wählte die Jury unter Egon Eiermanns Vorsitz, 1959 die Arbeit der jungen Architekten Klaus Gessler und Wilfried Beck-Erlang aus, die den Theaterbau, der wegen seiner besonderen kulturellen Stellung in der Bundeshauptstadt Bonn und seiner herausragenden Architektur besonders stark beachtet wurde, zwischen 1959 und 1965 errichteten. Im Mai 1965 wurde das Theater mit einem Festakt und der „Orestie“ von Aischylos unter Beteiligung der Bundesprominenz eröffnet.

Mit einem Umbau in den 90er Jahren wurde es erweitert und in Stand gesetzt, ebenso wie bei einer weiteren Sanierung 2018.

 

Die Kunst: „Der Rhein / Milchstraße“

Das Theater zählt zu den ganz wenigen Bauten überhaupt, bei denen die Architekten von Anbeginn der Planung Künstler zur Mitarbeit herangezogen haben, Künstler waren demnach nicht nachträglich Dekorateure. Bereits der Grundriss des Theaters zeigte den Standort der schwebenden monumentalen Stahlplastik Erich Hausers im Foyer als integralen Bestandteil des Entwurfs. Die Lichtobjekte Otto Pienes, Lichtkugeln, im Prinzip von Kronleuchtern im Foyer, sowie die „Milchstraße“ als verfahrbare Lichtdecke im Auditorium, realisiert von Hans Dinnebier, das Wandbild Lothar Qintes als Schlitzbild im Zuschauerraum, die raumhohen Druckstöcke des Holzschnittes „Der Rhein“ von HAP Grieshaber im Raucherfoyer, die Emailletafeln von Kurt Frank als Strukturbilder im Erfrischungsraum, lassen den Besuch des Hauses zu einem eindrucksvollen Erlebnis werden.

 

Das Gesamtkunstwerk

Der unverwechselbare historische Ort, die herausragende, zentrale Lage im Stadtraum, die Nähe zur Kernstadt, die einladende Geste und die Öffnung zum gegenüberliegenden Stadtraum, zur Landschaft und zur Region, die herausragende Architektur des Hauses, die ungewöhnlich reiche Integration bildender Kunst, die Vervollständigung des räumlich-sinnlichen Erlebens durch die Schauspielkunst, die Musik, den Gesang, den Tanz, der festliche Akt des Zusammenwirkens der Künste mit dem Publikum an genau diesem demokratisch bestimmten Ort machen die Einmaligkeit dieses Theaters, dieser Oper aus und schaffen so ein Gesamtkunstwerk von herausragender Qualität, das durch keinen kulturellen Cluster an einem anonymen Ort zu ersetzen ist und dessen Erhaltung aus Sicht des Deutschen Werkbundes zwingend ist.

Die Mitglieder des Deutschen Werkbundes NW appellieren an den Rat der Stadt Bonn, an alle Verantwortlichen, die Bürgerschaft der Stadt Bonn, an die Bürger der Region und der Republik: Erhalten Sie dieses Gesamtkunstwerk und dieses Symbol des demokratischen Aufbruchs und der kulturellen Selbstvergewisserung der jungen Bundesepublik.

Für den Deutschen Werkbund NW
einstimmig verabschiedet in der Mitgliederversammlung am 22. März 2026 in Bochum

im Auftrag
Karl Jankowski
Architekt Stadtplaner DWB
Mitglied im Deutschen Werkbund NW

Tel.: 0172 9021794
Mail: karl.jankowski@icloud.com

 

Fotos: Juliane Rückriem

Verfasser
Deutscher Werkbund nordrhein-westfalen e.V.

Rubrik
Aus den Medien