Werkbund im Gespräch 4 – Bericht
Die Stadtgruppe Stuttgart des Deutschen Werkbund Baden-Württemberg hat am 26.07.2025 zur vierten Veranstaltung „Werkbund im Gespräch“ nach Stuttgart eingeladen. Anlass ist der 23. Juli 2025, der Tag, an dem sich die Eröffnung der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ in Stuttgart zum 98. Mal jährt. Treffpunkt für die Veranstaltung unter der Überschrift „Wege zurücklegen, Distanzen überwinden, Nähe schaffen – Mobilität in der Region Stuttgart“ war in diesem Jahr das Straßenbahnmuseum Stuttgart der SSB in Bad Cannstatt.
Am Vormittag fanden zwischen den sehr vielfältigen Exponaten des Museums fünf Vorträge zum Thema statt. Der Nachmittag war geprägt durch die gemeinsame Fahrt mit den Stadtbahnen zum Stuttgarter Fernsehturm, von wo der Blick über die Region ein anschauliches Bild der Verknüpfung von Landschaft, Topographie mit den unterschiedlichen Verkehrsnetzen ergab. Für die Rückfahrt nach Bad Cannstatt wurden der Bus, die Zahnradbahn „Zacke“ und weitere Stadtbahnen genutzt.
Der Abend begann mit einem Besuch in der Daimler-Benz-Gedächtnisstätte, in der die Geburtsstunde des motorisierten Individualverkehrs präsentiert wird. Anschließend trafen sich die Teilnehmer*innen zum Gespräch im Biergarten des Kursaals. Für Einige gab es am folgenden Tag noch eine Baustellenführung zu Stuttgart 21.
Unsere ReferentINnen:
- Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor Verband Region Stuttgart
- Peter Pätzold, Bürgermeister Landeshauptstadt Stuttgart, Referat Städtebau, Wohnen und Umwelt
- Kathrin Beckers, Internationale Bauausstellung, Metropolregion München
- Caroline Kramer, Lehrstuhl für Humangeographie, KIT Karlsruhe, Institut für Geographie und Geoökologie
- Henning Krug, Infrastrukturplanung, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen
Was bleibt nun in Erinnerung?
- Mobilität ist in und für die Region Stuttgart von zentraler Bedeutung!
- Das aktuelle Angebot ist insgesamt attraktiv, erreicht aber sowohl beim MIV als auch beim ÖPNV Grenzen.
- Freizeitverkehr entspricht rund 40 % der gesamten Verkehrsleistung, davon finden 55 % mit dem Pkw statt.
- Infrastrukturausbau ist notwendig – aber aufgrund der Langfristigkeit der Projekte und der limitierten Ressourcen keine Patentlösung.
- Um nennenswerte Veränderungen beim Modal Split zu erreichen, müssen entsprechende Nutzungen durch deutlich attraktivere Angebote und gleichzeitig Restriktionen gestärkt werden.
- Ganzheitliche Lösungen sind erforderlich! – wobei auch Klimaschutz, Klimaanpassung, ökologische, soziale und wirtschaftliche Belange zu berücksichtigen sind.
- In der Region und auch in der Stadt gibt es ein großes Bedürfnis nach Grün, aber die Natur ist nie weit weg.
- Integrierte Strategien auf regionaler und lokaler Ebene sind notwendig – Pläne machen alleine, reicht nicht!
Nur eine Mobilitätskultur, die vielfältige Mobilitätslösungen für die Stadt, aber auch für den ländlichen Raum und deren Verknüpfung anbietet, kann erfolgreich sein. - Zeittypische Lebensentwürfe mit zunehmender Multilokalität erfordern entsprechende Mobilitätskonzepte.
- Die Segregation und Vertreibung der weniger zahlungskräftigen Bevölkerung in periphere Lagen mit reduzierten Mobilitätsangeboten stellen die Frage nach der Raum-Zeit-Gerechtigkeit.
- Das städtische Umfeld hat aufgrund der räumlichen Dichte und dementsprechender Mobilitätsangebote zahlreiche Qualitäten, die einen intensiven Austausch und zahlreiche Nutzungen ermöglichen.
- Die Stadt selbst wird so zu einer Mobilitätstechnik – ‚Stadt der kurzen Wege‘ und Transit-Oriented Design eröffnen großes Potenzial.
- Voraussetzung für eine gute Mobilität sind Siedlungsstruktur und Städtebau.
Für den ÖPNV liegen die größten Potenziale im Busverkehr, da die Infrastruktur weitgehend vorhanden ist, keine teuren Investitionen benötigt werden und die Netze einfach erweiterbar und flexibel gestaltbar sind. - Letzte Meile ist mit dem leeren Bus sehr teuer: Pedelec, Sammeltaxi, Mitfahrerbank etc.
Der Bericht wurde von Siegfried Gaß auf der Grundlage der Präsentationen, die die Referent*innen dankenswerterweise zur Verfügung gestellt haben, zusammengestellt.
Besonderer Dank gilt der freundlichen Unterstützung durch die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH und die Stuttgarter Straßenbahnen AG:
Der gesamte Bericht kann hier heruntergeladen werden:

Impressionen vom Tag:
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